MarineForum vom 03. Februar 2013


PIRATERIE (Fortschreibung)

Somalia

Ein eingeschifftes bewaffnetes Sicherheitsteam der iranischen Marine hat am 28. Januar im Golf von Oman die Kaperung eines Supertankers verhindert. Staatliche Medien berichten, zwei Skiffs hätten das Schiff etwa 20 sm von der omanischen Insel Masirah entfernt angegriffen, die Soldaten der iranischen Marine hätten sie aber „in die Flucht geschlagen“.

Ein zwei Tage später ins Internet gestelltes Video soll diesen Überfall zeigen – und zugleich belegen, dass dabei neun Piraten gefangen genommen wurden (sechs weitere sollen getötet worden sein). Der Film beginnt mit heftigem Feuer eines eingeschifften Sicherheitsteams und endet mit der Gefangennahme mutmaßlicher Piraten, aber es dürfte kaum bei dem genannten Überfall entstanden sein (vermutlich wurde es aus mehreren Ereignissen zusammengeschnitten). Innenaufnahmen einer verwüsteten Brücke lassen den Schluss zu, dass es sich hier um eine Befreiungsaktion eines gekaperten Schiffes handelte und nicht um die Abwehr eines Angriffs durch ein bewaffnetes Sicherheitsteam. Auch sind die Aufnahmen offenbar an Bord eines Containerschiffes und nicht wie gemeldet eines Tankers entstanden.

Es ist auch mehr als unwahrscheinlich, dass ein Handelsschiff nach Abwehr eines Angriffs in See stoppt, um (in schnellen Skiffs flüchtende) Piraten zu ergreifen. Überdies wurde das Video (letztmalig) auch schon am 27. Januar bearbeitet – also einen Tag vor dem gemeldeten, aktuellen Überfall. Der Großteil der Aufnahmen dürfte am 6. April 2012 entstanden sein, als iranische Kommandos im Golf von Oman den von Piraten gekaperten chinesischen Frachter XIANGHUAMEN stürmten und befreiten – und neun (!) Piraten festnahmen.

Westafrika

Fünf am 17. Dezember vor dem Nigerdelta vom Produktentanker SP BRUSSELS entführte indische Besatzungsmitglieder wurden unversehrt wieder frei gelassen. Über ein wahrscheinlich gezahltes Lösegeld wurde Stillschweigen bewahrt.

Aktuelle Entwicklungen bei Einsatzkräften

Nach Abschluss von Übungen im Mittelmeer (s.u. RUSSLAND) hat ein Verband der russischen Nordflotte mit Zerstörer SEVEROMORSK, Tanker DUBNA und Bergeschlepper ALTAI am 30. Januar mit der Südpassage des Suezkanals begonnen. Die Schiffe sollen als neue russische Einsatzgruppe den derzeit im Golf von Aden operierenden Verband der Pazifikflotte (mit Zerstörer MARSHAL SHAPSHNIKOV) ablösen.

Die Niederlande und Sri Lanka haben vereinbart, dass auf niederländischen Handelsschiffen einzusetzende bewaffnete Sicherheitsteams in Häfen auf Sri Lanka an und von Bord der Schiffe gehen können. Die Vereinbarung dürfte vor allem auch Regelungen für das bei Einschiffungen im Ausland immer sehr problematische Mitführen von Waffen und Munition beinhalten.

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GROSSBRITANNIEN

Am 31. Januar hat das Verteidigungsministerium Details zur Rüstungsplanung der kommenden zehn Jahre veröffentlicht.

Der “Long-term Defence Equipment Spending Plan” sieht in den Haushaltsjahren 2012-2022 Ausgaben von insgesamt 159 Mrd. Pfund (182 Mrd. Euro) für Beschaffungsvorhaben vor. Erstmals wird ein solch langer Zeitraum abgedeckt, sicher auch ein Ausdruck dafür, dass zunehmend komplexe Rüstungsprojekte immer mehr Zeit benötigen und daher auch langfristiger angelegt werden müssen.

In den letzten Jahren war das Ministerium immer wieder für zu optimistische Kosten- und Zeitansätze kritisiert worden. Erstmals überhaupt sind nun von vornherein 4,8 Mrd. Pfund für Kostenüberschreitungen eingeplant, und weitere 8 Mrd. Pfund werden für eine heute noch nicht absehbare aber möglicherweise notwendig werdende Beschaffung zusätzlicher Rüstungsgüter zur Seite gelegt. In der neuen Planung sieht Verteidigungsminister Philip Hammond denn auch den richtigen Weg „Schritt für Schritt die Jahre das Missmanagement der letzten Regierung und eine „culture of over-promising and under-delivering“ zu beenden.

Kritiker befürworten diese Maßnahmen als Schritt in die richtige Richtung, bezweifeln aber, dass die Gelder ausreichen. Auch der Rechnungshof (National Audit Office – NAO) gibt sich zurückhaltend. Die Regierung lasse bei der Planung zwar „kluge Überlegungen“ erkennen, aber angesichts einer Finanzierungslücke von zuletzt 74 Mrd. Pfund blieben doch Unwägbarkeiten. Man vermisse noch eine ausreichende Berücksichtigung möglicher Risiken. Das Ministerium wiegelt hier ab, gesteht aber ein, dass der 2015 geplante nächste Strategic Defence and Security Review (SDSR) die Vorgaben bei einzelnen Projekten schon wieder deutlich verändern könnte.

Bei den im veröffentlichten Dokument aufgeführten einzelnen Projekten gibt es keine Überraschungen. Die Planung orientiert sich an den Vorgaben SDSR aus dem Oktober 2010. Für die Royal Navy bedeutet dies die Beschaffung von zwei neuen Flugzeugträgern der QUEEN ELIZABETH-Klasse (samt Kampfflugzeugen F-35B), sieben U-Booten der ASTUTE-Klasse, Entwicklung neuer nuklear-strategischer U-Boote als Ersatz der VANGUARD-Klasse, den Abschluss der Beschaffung von Zerstörern TYPE 45, Entwicklung und Baubeginn von Fregatten (Global Combat Ship) TYPE 26, Ersatz von Bordhubschraubern Lynx durch neue Hubschrauber Wildcat und die Entwicklung von Drohnen.

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INDIEN

Im August 2010 hatte ein Spezialfrachter das U-Boot SINDHURAKSHAK (KILO-I-Klasse) ins russische Severodvinsk (Weißmeer) transportiert.

Für das bei der St. Petersburger Admiralitätswerft gebaute U-Boot war nach mehr als zehn Jahren Dienstzeit eine Grundinstandsetzung mit u.a. auch Batteriewechsel fällig geworden, und wie schon zuvor für mehrere Schwesterboote, wurde auch diesmal die russische Zvezdochka damit beauftragt. Neben routinemäßig erforderlichen Arbeiten wurden in Severodvinsk im Rahmen einer Modernisierung und Kampfwertsteigerung auch das Seeziel-FK-System Club-S samt Gefechtsführungs-/Waffeneinsatzsystem sowie eine moderne indische Sonaranlage und indisches Fernmeldegerät installiert.

Am 26. Januar gab die Werft das fertige U-Boot in Severodvinsk an die indische Marine zurück. Drei Tage später machte die SINDHURAKSHAK sich auf den langen Weg in die Heimat – auf eigenem Kiel und angeblich auf einer außergewöhnlichen Route. Erstmals überhaupt soll ein indisches U-Boot in einer zumindest abschnittsweisen Unter-Eis-Fahrt dem Nördlichen Seeweg folgen. Zunächst gab es bei Pressemitteilungen noch Verwirrung, denn einmal war von der „Northern Sea Route“ (durch die Arktis“), dann wieder von der „North Sea Route“ (um die britischen Inseln) die Rede. Inzwischen wird übereinstimmend aber nur noch von den arktischen Gewässern nördlich Russlands gesprochen, wo die russischen Eisbrecher DIKSON und KAPITAN CADAEV das indische U-Boot begleiten sollen.

Zweifel bleiben trotzdem angebracht. Zum einen fällt die Heimreise mitten in den arktischen Winter, die Zeit größter Eisbedeckung, wenn auch Eisbrecher nicht selten an die Grenzen ihrer Möglichkeiten stoßen. Zum anderen zeigt ein Blick auf die Karte, dass die „Northern Sea Route“ zwar eine Abkürzung in den Pazifik ist, die Fahrstrecke nach Indien aber doch erheblich länger ist als der Weg rund um Afrika oder (in Abkürzung) durch den Suezkanal. Und nicht zuletzt sind eher tropische Bedingungen gewohnte, indische U-Bootkommandanten auch sicher nicht im Detail mit den ganz besonderen Bedingungen von Fahrten unter einer geschlossenen Eisdecke vertraut. Die kommenden Tage werden zeigen, welchen Weg die SINDHURAKSHAK tatsächlich nimmt. Es ist durchaus möglich, dass die beiden russischen Eisbrecher das indische U-Boot nur durch das derzeit ebenfalls eisbedeckte Weiße Meer begleiten sollen und die SINDHURAKSHAK dann auf Westkurs in Richtung Norwegensee geht.

Die indische Marine verfügt über insgesamt zehn in den 1980er/90er Jahren in Russland gebaute U-Boote der KILO-I-Klasse (Projekt 877 EKM), aber SINDHURAKSHAK ist das letzte von sieben dieser Boote, die in Russland grundüberholt und modernisiert wurden. Die Überholung der U-Boote auf russischen Werften, sei es nun beim Hersteller Admiralitätswerft in St. Petersburg oder bei Zvezdochka im arktischen Severodvinsk, ist allein schon wegen der Entfernung zu aufwändig.

Auf der Suche nach einer Alternative hatte das indische Verteidigungsministerium schon 2002 mit der russischen Rüstungsexportbehörde Rosoboronexport vereinbart, die Hindustan Shipyards in Vishakapatnam, dem am Golf von Bengalen gelegenen Hauptstützpunkt der indischen Ostflotte, technisch und personell so auszustatten, dass U-Boote der KILO-Klasse künftig dort gewartet, instand gesetzt und auch modernisiert werden können. Zvezdochka lieferte Material und notwendige technische Dokumentation und unterstützte Hindustan Shipyards auch mit technischem Personal. Erste praktische Erfahrungen sollen allerdings „ausgesprochen negativ“ gewesen sein.

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IRAN (Fortschreibung)

Im Konflikt um das (vermutlich militärische) Atomprogramm lässt der Iran nach wie vor keinerlei Bereitschaft zu einem Kompromiss erkennen. Am 31. Januar informierte man sogar offiziell die IAEA über die geplante Nutzung modernerer Zentrifugen im Atomzentrum Natanz, mit denen sich die Urananreicherung (bis zu Waffenfähigkeit) noch deutlich beschleunigen lässt.

USA und Israel bekräftigen immer wieder ihre Entschlossenheit zur „Verhinderung eines nuklear bewaffneten Iran“, aber derzeit spricht derzeit nichts für eine baldige „Wahrnehmung militärischer Optionen“. Man wird zunächst weiter auf die verhängten Sanktionen setzen und hoffen, dass zunehmende wirtschaftliche Probleme und internationale Isolierung den Iran allmählich zu einem Einlenken bewegen.

Nun ist allerdings der Rohölexport von seinem Tiefstand von 0,9 Mio. Barrel pro Tag (bpd) im Dezember 2012 wieder auf 1,5 Mio. bpd gestiegen – vornehmlich Lieferungen an nicht dem EU/US-Embargo verpflichtete asiatische Kunden wie China und Indien. Das ist zwar noch immer deutlich weniger als die früher üblichen 2,2 Mio. bpd, aber allein schon der Anstieg könnte den Iran in seiner Entschlossenheit stärken, die Sanktionen „auszusitzen“. Mit offensichtlich gestärktem Selbstbewusstsein verhängte der Iran seinerseits ein „Exportembargo“ für Gas und Rohöl gegen alle 27 EU-Staaten – ein sicher nur symbolischer Akt, der aber kennzeichnend für die verhärteten Fronten ist.

Am 27. Januar berichtete eine (einzelne) mittel-östliche Nachrichtenagentur von einer „schweren Explosion in der Anreichungsanlage in Fordo“; fast 200 Menschen seien in der unterirdischen Anlage eingeschlossen. Der Iran wies die Meldung sofort als bloße Propaganda zurück, und sie lässt sich auch Tage später aus keinerlei offiziellen oder inoffiziellen Quellen bestätigen. Mit großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich um eines der typischen, im mittel-östlichen/arabischen Raum so beliebten und aus welchen Gründen auch immer bewusst verbreiteten Gerüchte.

Die aktuelle militärische Lage bleibt unverändert ruhig.

Am 30. Januar begannen Marineeinheiten der iranischen Revolutionsgarden (IRGC „Pasdaran See“) in der im Norden des Persischen Golfes gelegenen 3. Marine-Zone die dreitägige Übung „Fath 91“. In Verteidiger und Angreifer aufgeteilt, übten die beteiligten Einheiten die schnelle Verlegung bei einer krisenhaften Entwicklung, den Schutz von Seeverkehrswegen vor der iranischen Küste und „Kommandooperationen“. Zwischenfälle oder Beeinträchtigungen des internationalen Seeverkehrs wurden nicht gemeldet. In Bandar Abbas hatte das IRGC unterdessen zu einer „Außerordentlichen Konferenz über Seeminen“ eingeladen. In einer Ausstellung präsentierten die Forschungs- und Entwicklungsabteilung des IRGC, die „Pasdaran-See“ sowie angeblich auch angereiste ausländische Delegationen (Länder wurden nicht genannt) ihre neuesten Minen, Minenlege- und Minenräum-Technologien.

Die US Navy hat mit der JOHN C. STENNIS weiterhin nur einen einzigen Flugzeugträger sowie mit der PELELIU auch nur eine amphibische Einsatzgruppe in der Region präsent. Daran soll sich in den kommenden Wochen (bis zur Rückkehr der EISENHOWER) auch nichts ändern. Vor der US Atlantikküste setzt die Carrier Strike Group um den Flugzeugträger HARRY S. TRUMAN mit einer „Composite Training Unit Exercise” (COMPTUEX) die operative Vorbereitung auf ihren routinemäßigen Einsatz in der Region fort. Der Flugzeugträger soll „im Frühling“ verlegen. In die HARRY S. TRUMAN Carrier Strike Group wird zeitweise auch die deutsche Fregatte HAMBURG integriert sein.

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ITALIEN

Die italienische Marine hat einen neuen Chef.

Am 27. Januar übernahm der bisherige Befehlshaber der Flotte, Admiral Guiseppe De Giorgi, in einer öffentlichen Kommandowechsel-Zeremonie im Zentrum von Rom die Führung der Marine von Admiral Luigi Binelli Mantelli, der an die Spitze der italienischen Streitkräfte wechselt.

Guiseppe De Giorgi wurde 1953 in Neapel geboren. 1975 schloss er die Offiziersausbildung an der Marineakademie ab und wurde anschließend Hubschrauberpilot. Auf der Fregatte ALPINO und dem Kreuzer ANDREA DORIA führte er die Bordhubschrauber-Komponente, erhielt zwischendurch in einer Seefahrerverwendung auch schon einmal das Kommando über den Wassertanker BRADANO.

1986 absolvierte er in Livorno den Admiralstabslehrgang. Nachfolgend war er während des Ersten Golfkrieges (Iran – Irak) Kommandeur der fliegenden Gruppe beim im Persischen Golf eingesetzten Kontingent der italienischen Marine. 1992 erhielt er das Kommando über die Fregatte LIBECCIO, war danach vier Jahre Leiter der Marineflieger-Planung im Marinestab und fuhr dann von 1997 bis 1999 noch einmal zur See – diesmal als letzter Kommandant des vor der Ausmusterung stehenden Hubschrauberträgers VITTORIO VENETO.

Dieser letzten Dienstzeit als Seefahrer folgten eine ganze Reihe Stabsverwendungen an Land. De Giorgi wurde Abteilungsleiter Marineflieger im Marinestab – in Doppelfunktion zugleich auch Chef der Marineflieger. 2005 wurde er, nun schon Konteradmiral, Befehlshaber der Hochseeflotte und führte als erster Seekommandeur zeitweilig die vor der Küste des Libanon operierende UNIFIL Maritime Task Force. Es folgten Verwendungen als Chef des Stabes beim Joint Operations Headquarter und anschließend als Chef des Stabes beim Befehlshaber der Flotte. Im Mai 2011 übernahm er die Verantwortung für die Ausbildung bei der italienischen Marine, wurde dann aber schon im Februar 2012 in das Amt des Befehlshabers der Flotte berufen. Von dort wechselte er nun an die Spitze der italienischen Marine.

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RUSSLAND

Der in Murmansk stationierte, atomgetriebene Eisbrecher ROSSIYA hat in diesen Tagen in die Ostsee verlegt.

Bis April soll der Eisbrecher im Finnbusen helfen, die Seeverkehrswege frei zu halten. Danach könnte für den 1985 als „weltweit vierten atomgetriebenen Eisbrecher“ in Dienst gestellte Schiff die Außerdienststellung folgen. Der Kapitän gesteht ein, dass die ROSSIYA „ihre erwartete Lebensdauer bereits überschritten“ hat, bedauert aber den möglichen Verzicht auf sein „immer penibel gewartetes und technisch voll intaktes Schiff“.

Die ROSSIYA ist nach der ebenfalls russischen 50 LET POBEDY der zweitgrößte Eisbrecher der Welt. Das gut 23.000 ts verdrängende Schiff (150 m) kann mit seiner Maschinenleistung von 75.000 PS bis zu fünf Meter dickes Eis bewältigen. 1990 brachte der Eisbrecher als „Kreuzfahrtschiff“ erstmals eine Gruppe westlicher Touristen zum Nordpol. Einsatzgebiet der ROSSIYA ist fast ausschließlich die Arktis, denn die Reaktoren benötigen zur Kühlung kaltes Seewasser. Nur in Winterzeiten werden so auch Operationen in anderen Seegebieten wie der Ostsee möglich, und tatsächlich unternimmt die ROSSIYA auch nicht zum ersten Mal den Abstecher in den Finnbusen. Schon im Januar 2012 war die ROSSIYA aus dem hohen Norden in Marsch gesetzt worden, um die dortigen diesel-getriebenen Eisbrecher zu unterstützen.

Bei der neuen Priorität Russlands für die Arktis wird natürlich nicht ersatzlos auf die ROSSIYA verzichtet. Die nächste Generation atomgetriebener Eisbrecher ist denn auch schon im Entstehen. Die staatliche „Rosatom“ hat den Bau von zwei neuen Eisbrechern Typ 22,220 ausgeschrieben. Die 2019 und 2020 in Dienst zu stellenden Schiffe sollen die „weltweit größten und stärksten Eisbrecher“ werden und Handelsschiffen eine ganzjährige. Nutzung der arktischen „Northern Sea Route“ zwischen Barentssee und Beringstraße ermöglichen. Neben diesen atomgetriebenen Eisbrechern lässt „Rosmorport“ noch mindestens fünf weitere diesel-getriebene Eisbrecher bauen.

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RUSSLAND (Fortschreibung)

Am 30. Januar hat der Generalstab in Moskau die flottenübergreifenden Übungen in Schwarzmeer und Mittelmeer offiziell für beendet erklärt.

Die mit der Übung verbundene Medienarbeit blieb in ihrem Umfang weit hinter der von anderen Übungen der letzten Jahre zurück. Gerade in der Hauptphase der Manöver gab es tagelang keinerlei Informationen, und so bleiben die meisten Aktivitäten der „20 Schiffe und drei U-Boote“ von Schwarzmeerflotte, Baltischer Flotte und Nordflotte im Mittelmeer und Schwarzmeer im Dunkeln. Folgt man den offiziellen Darstellungen, dann hat es z.B. im Schwarzmeer nach einer amphibischen Landung bei Novorossiysk am 21. Januar keinerlei Aktivitäten mehr gegeben. In einer einzigen Meldung heißt es lediglich, die beiden Landungsschiffe KALININGRAD und ALEXANDER SHABALIN der Baltischen Flotte seien zur Endphase der Übung ins Mittelmeer zurückgekehrt. Für das Mittelmeer ist relativ vage von Anti-Terrorübungen, Artillerie und Flugabwehr-FK-Schießen, Minenvermeidung und U-Jagd die Rede.

Das scheint angesichts der Vorankündigungen zur „größten Marineübung der letzten Jahrzehnte“ sehr dürftig, steht aber durchaus nicht im Widerspruch zur Größenordnung der Manöver. Seit Sowjetzeiten spielen sich Großübungen der russischen Streitkräfte im Wesentlichen in den Stäben vor Computern ab, vor allem wenn mehrere Teilstreitkräfte beteiligt sind. Nur einige ausgewählte Teile der Gesamtübung – für sich allein oft auch völlig ohne Zusammenhang – werden durch reale Truppen dargestellt.

Es ist durchaus möglich, dass sich die spärlichen Aktivitäten in Mittelmeer und Schwarzmeer und auch (tatsächlich auch gemeldete) Flüge strategischer Bomber über der Arktis und der Norwegensee als Teilkapitel oder auch nur Absätze in einem „großen Drehbuch“ finden, das sich ansonsten abseits der Öffentlichkeit und fern der See vor allem übergreifenden Aspekten von „Command & Control“ widmet. So soll denn auch im Rahmen dieser Übung vor allem ein neues Führungssystem für die Führung gemeinsamer Operationen mehrerer Flotten erprobt worden sein, und zentraler Inhalt der Übung könnte so tatsächlich allein schon die Verlegung von Einheiten mehrerer Flotten und deren Zusammenziehung in einem heimatfernen Seegebiet gewesen sein. Möglich bleibt aber auch, dass ein ursprünglich wegen der Lageentwicklung in Syrien befohlener Einsatz der drei Flotten sich als überhastet und völlig unnötig erwiesen hat, und der „Kriseneinsatz“ dann kurzfristig für eine Großübung genutzt wurde.

Unmittelbar nach Übungsende sind mehrere Übungsteilnehmer, unter ihnen der FK-Kreuzer MOSKVA, am 31. Januar zu einem Hafenbesuch in Limassol (Zypern) eingelaufen; dort fand offenbar auch eine erste Übungsanalyse statt. Der Nordflottenverband mit Zerstörer SEVEROMORSK, Tanker DUBNA und Bergeschlepper ALTAI hat schon am 30. Januar das Mittelmeer durch den Suezkanal in Richtung Gold von Aden verlassen. Die Einheiten sollen dort in den kommenden Wochen Anti-Piraterie-Operationen durchführen.

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USA (Fortschreibung)

Die US Navy hat ihr unverändert auf einem Riff in der Sulu-See fest sitzendes Minenabwehrschiff GUARDIAN offenbar als Totalverlust abgeschrieben.

Die zur AVENGER-Klasse gehörende, in Sasebo (Japan) stationierte GUARDIAN war nach Ende eines Besuches in Subic Bay (Philippinen) in der Nacht zum 16. Januar mit voller Fahrt auf das 80 sm östlich von Palawan (Philippinen) liegende Tubattaha Korallenriff aufgelaufen. Besonders peinlich: das Riff liegt in einem marinen Nationalpark mit dem Status einer „World Heritage Site“; Seekarten verzeichnen es als für den Durchgangs-Seeverkehr gesperrtes Naturschutzgebiet, und der Kommandant ignorierte offenbar Warnungen der Parkranger, die ihn über Funk auf seine falsche Position aufmerksam machten. Alle Versuche, das „Boot“ (immerhin 70m und 1.300 ts) wieder flott zu bekommen, sind gescheitert. Seegang hat die GUARDIAN weiter auf das Riff gedrückt und stark beschädigt. Durch mehrere Lecks dringt Wasser in den Rumpf ein; an Backbordseite ist die komplette GFK-Laminierung vom Holzrumpf abgeplatzt.

Die Schäden an der GUARDIAN werden jetzt offiziell als „beyond economical repair“ bezeichnet, und die aktuelle Planung zielt denn auch nur noch darauf ab, das Schiff unter Vermeidung weiterer Umweltschäden im Naturpark vom Riff herunter zu bekommen. Das Bergeschiff SALVOR der US Navy (Military Sealift Command) ist seit dem 27. Januar vor Ort, und Bergungsexperten haben den Rumpf der GUARDIAN mit Kevlar-Leinen stabilisiert. Die zuvor von einem malaysischen Bergeschlepper leer gepumpten Kraftstofftanks wurden zur Stabilisierung mit Seewasser gefüllt. Nun wartet man auf das Eintreffen zweier in Singapur gecharterter Kranschiffe. Mit ihrer Hilfe soll die GUARDIAN an Ort und Stelle in Einzelteile zerlegt und dann zur Verschrottung abtransportiert werden. Für die Aktion wird etwa ein Monat veranschlagt.