Wochenschau MarineForum vom 13.12.2015


NAH-/MITTELOST

Die militärische Lage im Nahen-/Mittleren Osten bleibt von der Bekämpfung des terroristischen “Islamic State” (IS) sowie den Bürgerkriegen in Syrien und Jemen bestimmt.

KRIEG GEGEN DEN ISLAMISTISCHEN TERROR (Fortschreibung)

Im „Krieg“ gegen den vornehmlich von Syrien und Irak ausgehenden islamistischen Terror (IS, ISIS, ISIL, Daech) wächst international die Bereitschaft, sich militärisch zu engagieren, aber eine wirklich international übergreifende, breite Koalition bleibt vorerst Fernziel; noch zu viele Eigeninteressen einzelner Staaten bestimmen die Entwicklung. So ist die Haltung einiger arabischer Staaten noch sehr „ambivalent“, und Russland mag nach seiner Intervention im syrischen Bürgerkrieg weiterhin noch nicht zwischen IS und oppositionellen Rebellen unterscheiden. Spannungen zwischen Russland und der Türkei erschweren zusätzlich international abgestimmtes Handeln. Zugleich gibt es zunehmend Berichte, nach denen Teile von IS nach Libyen ausweichen.
US-geführte, multinationale Koalition

Eine US-geführte multinationale Koalition setzt mit der Operation „Inherent Resolve“ Luftschläge in von IS kontrollierten Gebieten im Irak und in Syrien fort. Ziele sind Kommandozentren, Stützpunkte, Depots und von den Islamisten kontrollierte Öl-Anlagen (Hauptfinanzierungsquelle), daneben aber auch logistische Straßentransporte (Tanklastwagen im Ölschmuggel) und verlegende Kämpfer. Aktuell geht es auch darum, die Verbindungsroute zwischen den IS-Hochburgen Raqqa in Syrien und Mosul im Irak zu sperren, um so ein Ausweichen der IS-Kämpfer von Syrien nach Irak zu verhindern. Zum Einsatz kommen seegestützt von Flugzeugträgern und landgestützt von Flugplätzen der Golfstaaten, Jordaniens und der Türkei operierende Kampfflugzeuge der Luftwaffen zahlreicher Staaten. Die britische Royal Air Force nutzt ihre Basis in Akrotiri (Zypern).

Apache Kampfhubschrauber der US Army auf der ‚Kearsarge‘ (Foto: US Navy)Die „Harry S Truman“ Carrier Strike Group (CSG) der US Navy befindet sich weiterhin im Mittelmeer, hat bis zum 9. Dezember einen mehrtägigen Besuch in Split (Kroatien) durchgeführt. Noch ist unklar, wann der US Verband durch den Suezkanal in die Golfregion verlegen wird. Es ist nicht auszuschließen, dass er als „Gegengewicht“ zur russischen Marinepräsenz und angesichts der russisch-türkischen Spannungen vorerst im östlichen Mittelmeer bleibt. Zum Verband gehören neben dem Flugzeugträger „Harry S. Truman“ noch der Kreuzer „Anzio“ sowie die Zerstörer „Gravely“, „Bulkeley“ und „Gonzales“. Zusätzlich zu den Kampfflugzeugen F/A-18E/F Super Hornet des Flugzeugträgers können die „Anzio“ und die drei Zerstörer bei Bedarf auch Marschflugkörper Tomahawk einsetzen.

Im Persischen Golf operiert weiterhin der amphibische Träger „Kearsarge“ der US Navy. Von einer Position im nordwestlichen Persischen Golf fliegen eingeschiffte Jagdbomber AV-8B Harrier des US Marine Corps Einsätze gegen IS-Ziele im Irak. Aktuelle Fotos zeigen auch Kampfhubschrauber Apache der US Army bei Flugbetrieb auf der “Kearsarge”.

Die „Groupe Aeronaval“ (GAN) der französischen Marine mit dem Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ hat im Rahmen ihrer „Mission Arromanches 2“ am 7. Dezember den Suezkanal passiert und verlegt im Roten Meer nach Süden.
GAN passiert Suezkanal (Foto: franz. Marine)
In einem bisher einmaligen Schritt hat der als Verbandsführer auf der „Charles de Gaulle“ eingeschiffte französische RAdm Rene-Jean Crignola mit Erreichen des Roten Meeres (Operationsgebiet der 5. US-Flotte) das Kommando über die „Task Force 50“ der US Navy übernommen. Die dem US Naval Forces Central Command unterstehende TF 50 wird üblicherweise durch eine um die arabische Halbinsel operierende Carrier Strike Group der US Navy gebildet. Die französische Führung war vermutlich schon länger geplant, um aufbauend auf zwei früheren (2014 und Frühjahr 2015) Verlegungen der GAN mit gemeinsamen Operationen mit einer CSG der US Navy die Interoperabilität beider Marinen weiter zu verbessern.

Zur GAN (national auch „Task Force 473“) gehören neben dem Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ der für Flugabwehr optimierte Zerstörer „Chevalier Paul“, die U-Jagd-Fregatte „La Motte-Piquet“, der auch als Führungsschiff ausgerüstete Versorger „Marne“ sowie ein nukleargetriebenes U-Boot der RUBIS-Klasse. Mitte Januar soll sich noch die Fregatte „Aquitaine“ (Typ FREMM), im Falle ‚Leopold I‘ und ‚Charles de Gaulle‘ (Foto: belg. Marine)einer notwendig werdenden Einsatzverlängerung später auch deren Schwesterschiff „Provence“ anschließen. Die „Charles de Gaulle“ führt insgesamt 26 Kampfflugzeuge (18 Rafale, 8 Super-Etendard) an Bord mit.

In die GAN integriert sind auch die belgische Fregatte „Leopold I“ und die deutsche Fregatte „Augsburg“. Der Verband dürfte an diesem Wochenende den Golf von Aden erreichen; dort soll sich dann auch der im Rahmen eines neunmonatigen, routinemäßigen nationalen Präsenzeinsatzes „East of Suez“ bereits in der Region operierende britische Zerstörer „Defender“ anschließen. Zur möglichen Einbindung auch der ebenfalls schon in der Golfregion operierenden australischen Fregatte „Melbourne“ scheint noch keine Entscheidung getroffen.

 

RUSSLAND

Nach dem Anschlag auf ein russisches Verkehrsflugzeug bekämpft auch Russland den IS mit größerer Priorität, aber die Mehrzahl russischer Angriffe gilt weiterhin oppositionellen Rebellen in Syrien. Unverändert macht Russland zumindest in öffentlichen Erklärungen keinen Unterschied zwischen Islamisten und oppositionellen Rebellen, nennt alle Gruppierungen gleichermaßen „Terroristen“.

Russland setzt vor allem die mit Intervention in den syrischen Bürgerkrieg (s.u.) nach Latakia (Syrien) verlegten Jagdbomber Su-24 Fencer, Su-34 Flanker und Su-25 Frogfoot der russischen Luftwaffe ein. Diese nehmen neben Milizen der syrischen Opposition auch IS und die al-Kaida nahestehende, sunnitische Al-Nusra Miliz ins Visier.

‚Rostov na Donu‘ schießt Marschflugkörper (Foto: MoDRUS)Am 8. Dezember schoss das U-Boot „Rostov na Donu“ aus einer Position im östlichen Mittelmeer mehrere Marschflugkörper Kalibr auf eine Munitionsfabrik und eine Ölproduktionsanlage des IS bei Raqqa (Syrien). Der Einsatz war vorab den USA und Israel angekündigt worden. Man kann annehmen, dass „für Übungen des Mittelmeergeschwaders“ vom 6.-10. Dezember südlich Zyperns sowie zwischen Zypern und Syrien erklärte Warngebiete in Zusammenhang mit dem U-Boot-Einsatz standen; Übungen von Überwassereinheiten fanden dort jedenfalls nicht statt.

Medienberichterstattung deutet auf einen TSK-übergreifend koordinierten, gemeinsamen Luftschlag mit Bombern Tu-22M3 Backfire-C der strategischen Fernfliegerkräfte aus Mozdok (am Nordrand des Kaukasus) und nach Syrien verlegten Jagdbombern. Die Backfire-C sollen dabei Präzisions-Gleitbomben eingesetzt haben.

Wie bereits die früheren Marschflugkörper-Schüsse durch Korvetten aus dem Kaspischen Meer, dürfte auch der nunmehrige Einsatz vom U-Boot primär der „Demonstration von Kalibr“ und – in einem realen Gefechtsumfeld – dem Nachweis der Fähigkeit zu TSK-gemeinsamen, koordinierten Luftschlägen über große Distanzen gedient haben. Aus bloßen taktischen oder operativen Erwägungen heraus waren alle bisherigen Einsätze der (teuren) Marschflugkörper unnötig. Die nach Syrien verlegten Jagdbomber hätten sämtliche Ziele genauso effektiv und auch weitgehend ohne eigene Bedrohung bekämpfen können.

Die „Rostov na Donu“, zweites U-Boot der neuen KILO-III-Klasse, befindet sich nach abschließenden Erprobungen im Nordflottenbereich eigentlich auf ihrer Verlegungsfahrt zur künftigen Heimatflotte ins Schwarze Meer. Das russische Verteidigungsministerium sah offenbar die Gelegenheit zu einer „Bewährung“ in einem realen Gefechtseinsatz. Ende Oktober hatte die „Rostov na Donu“ ihren Transit überraschend unterbrochen und war in die Ostsee nach Kronshtadt gelaufen. Damals war über Probleme mit der Antriebsanlage spekuliert worden, aber der Abstecher scheint wohl eher der Beladung mit Kalibr gedient zu haben. Dafür könnten auch damals in Kronshtadt beobachtete ungewöhnliche Sicherheitsmaßnahmen wie Blockierung der Pier durch quergestellte LKW sprechen.

 

BÜRGERKRIEG IN SYRIEN (Fortschreibung russische Intervention)
Im Januar sind erste Friedensgespräche zur Beilegung des syrischen Bürgerkrieges geplant. Im Vorfeld haben sich in Riad (Saudi Arabien) Vertreter der meisten syrischen Oppositionsgruppen mit den arabischen Staaten auf eine gemeinsame Position verständigt. Die geplanten Friedensgespräche sind sicher nur Auftakt eines längeren Prozesses mit offenem Ausgang. Zwar signalisiert auch der syrische Staatschef al Assad Gesprächsbereitschaft, allerdings nur mit Gruppen, die zuvor ihre Waffen niedergelegt haben. Bewaffnete Oppositionelle seien sämtlich „Terroristen“, mit denen es keine Gespräche geben könne. Russland schließt sich dieser Auffassung an.

Neben der oben dargestellten, zuletzt etwas intensivierten Bekämpfung von IS gelten die meisten Einsätze der russischen Luftwaffe noch immer oppositionellen syrischen Rebellen. Die Mehrzahl der inzwischen insgesamt mehr als 4.000 Luftangriffe erfolgt weiterhin in Gebieten, in denen IS nicht präsent ist. Offensichtliches Ziel der russischen Luftoperationen ist die Stabilisierung des al-Assad-Regimes und (neben der Region um die Hauptstadt Damaskus) die Sicherung von dessen Kernland (schiitische Alawiten) in der westlichen Küstenregion Syriens.

Nach dem Abschuss eines russischen Jagdbombers durch türkische Abfangjäger hat Russland Flugabwehrsysteme S-400 nach Latakia verlegt. Das derzeit modernste russische Flugabwehrsystem S-400 ist mit Reichweite (bis zu 400 km) und Fähigkeiten (bei Zielzuweisung durch ein Frühwarnflugzeug Bekämpfung auch sehr tief fliegender Marschflugkörper) durchaus in der Lage, über dem Großteil Syriens eine „Flugverbotszone“ effektiv durchzusetzen. Nicht von ungefähr hat Russland auch bereits öffentlich erklärt, dass es von der syrischen Regierung formell mit der Verteidigung syrischen Luftraumes betraut wurde. Am 11. Dezember hat Präsident Putin öffentlich die „Vernichtung aller Ziele, die russische Streitkräfte in Syrien bedrohen“ befohlen.

Maritime Aspekte

Die Spannungen zwischen Russland und der Türkei dauern unvermindert an. Sinnbildlich ist eine Passage der türkischen Meerengen (6. Dezember) durch das russische Landungsschiff „Tsesar Kunikov“, auf dessen Signaldeck deutlich sichtbar ein Soldat mit feuerbereitem, schultergestützten Flugabwehr-FK (Strela / Igla) postiert war.

Die Türkei protestierte heftig, bestellte den russischen Botschafter ein; dieser zeigte sich „verwundert“. Es sehe hier keinerlei Unterschied zu den auf passierenden NATO-Schiffen üblichen Selbstschutzmaßnahmen gegen mögliche Terrorangriffe (gefechtsbereite Soldaten an Maschinengewehren) und auch keinen Verstoß gegen das Montreux-Abkommen.

Anfang Dezember hatte Russland im Schwarzmeerhafen Novorossiysk fünf türkische Handelsschiffe zu „Sicherheitsüberprüfungen“ festgehalten. Türkische Behörden legten daraufhin im türkischen Schwarzmeerhafen Samsun vier russische Frachter wegen „Verstoßes gegen maritime Sicherheitsvorschriften“ an die Kette. Als am 5. Dezember die russischen Behörden alle fünf Schiffe ziehen ließen, kamen auch drei der russischen Schiffe wieder frei; eines wird allerdings nach wie vor in Samsun festgehalten.

Das Flaggschiff der russischen Schwarzmeerflotte, der FK-Kreuzer „Moskva“ bleibt „zum Schutz der vorgeschobenen russischen Luftwaffenbasis bei Latakia und russischer Flugzeuge vor möglichen Bedrohungen“ vor Latakia positioniert. Sein Flugabwehrsystem SA-N-6 Grumble (russ. Bezeichnung „Fort“, acht-zellige Vertikalstarter) ist eine Marinevariante des landgestützten Flugabwehrsystems S-300. Bei effektiver Reichweite von etwa 120 km reicht SA-N-6 zwar nicht bis zu den IS-Gebieten in Nordost-Syrien, aber die „Moskva“ kann doch das im Bürgerkrieg für das Assad-Regime kritische Alawiten-Kernland effektiv abdecken, vor allem aber auch nahe der türkischen Grenze eingesetzte russische Kampfflugzeuge unter ihren Flugabwehrschirm bringen.

Ende Dezember soll die „Moskva“ durch Schwesterschiff „Varyag“ abgelöst werden. Das Flaggschiff der Pazifikflotte befindet sich derzeit mit mehreren anderen Schiffen in Indien, führt vor Visakhapatnam im Golf von Bengalen die jährliche bilaterale Übung „Indra-Naval 2015“ mit der indischen Marine durch (s.u.). Nach Abschluss der Übung soll die „Varyag“ ins Mittelmeer verlegen; sie dürfte für den Transit etwa zwei Wochen benötigen.

Im östlichen Mittelmeer operieren derzeit noch der US-Zerstörer „Carney“ und die französische Fregatte „Courbet“. Vermutlich patrouillieren weiterhin auch die türkischen U-Boote „Burak Reis“ und „Dolunay“ in der Region. Der NATO-Verband SNMG-2 führte mit der deutschen Fregatte „Hamburg“ und dem dänischen Mehrzweckschiff „Absalon“ einen länger geplanten Besuch in Haifa (Israel) durch. Zwischen Zypern und der libanesischen Küste sind überdies die Einheiten der multinationalen UNIFIL Maritime Task Force im Einsatz.

Mit Frachtumschlag im russischen Schwarzmeerhafen Novorossiysk, dauert die allgemein als „Syrian Express“ bezeichnete Lieferung von Rüstungsgütern an Syrien und Nachschub/Verstärkung der dort eingesetzten russischen Truppen unvermindert an. Am 6. Dezember passierte das Landungsschiff „Tsesar Kunikov“ (s.o.) die türkischen Meerengen mit Kurs auf Syrien, während der Frachter „Dvinitsa-50“ von dort ins Schwarzmeer zurückkehrte. Am 10. Dezember wurde der mit Containern beladene Frachter „Kyzyl-60“ im Bosporus mit Kurs auf das Mittelmeer gesichtet.

‚Kyzyl-60‘ auf dem Weg nach Syrien (Foto via turkishnavy.net)
Dvinitsa-50“ und „Kyzyl-60“ gehören zu acht von Russland kurzfristig speziell für den „Syrian Express“ in der Türkei gekauften Frachtern. Die in Teils „fragwürdigem Zustand“ befindlichen Schiffe wurden formell in den Bestand der russischen Marine übernommen und werden von einer gemischten zivilen/militärischen Besatzung gefahren. Als formell militärische Einheiten besteht für sie de facto keine Gefahr, wegen Verletzung des von EU/USA (nicht aber den Vereinten Nationen) gegen Syrien verhängten Waffenembargos in See aufgebracht zu werden.

 

BÜRGERKRIEG IN JEMEN (Fortschreibung)

In einem „militärischen Patt“ ist keine Seite zu entscheidenden Geländegewinnen in der Lage, aber gerade dies ermöglicht nun Friedensgespräche unter UN-Vermittlung. Nach wochenlangem Taktieren sollen diese am 15. Dezember beginnen. Zunächst war Genf als Verhandlungsort genannt worden; inzwischen spricht man von einem „geheimen Ort“. Parallel zu den Gesprächen wurde ein 7-tägiger Waffenstillstand vereinbart.

Grafik: wikipediaAm 10. Dezember meldete die saudi-arabisch geführte Koalition die Besetzung der im südlichen Roten Meer gelegenen Hanish-Inseln. Die zwischen dem Jemen und Eritrea gelegene Inselgruppe diente den Houthi-Rebellen als Versteck und Ausgang für Waffenschmuggel. Die weiterhin von den Houthi kontrollierten jemenitischen Häfen Al Mocha und Hodeidah bleiben seeseitig zwar von Einheiten der saudi-arabischen und ägyptischen Marine blockiert, aber kleine Boote fanden bisher meist einen Weg an die jemenitische Küste.

Staatlichen iranischen Medien zufolge haben Houthi-Rebellen am 5. Dezember im Nordausgang der Meerenge des Bab-el-Mandeb erneut ein saudi-arabisches Kriegsschiff „mit Katyusha-Raketen“ versenkt. Dies wäre dann bereits das sechste dort versenkte saudi-arabische Kriegsschiff, ja auch die ägyptische Staatsyacht „Al Horria“ wollen die Houthi dort auf den Meeresgrund geschickt haben.

Nun sind ungelenkte Katyusha für den Beschuss eines beweglichen Seezieles denkbar ungeeignet, und keine einzige andere Quelle erwähnt die „Versenkungen“ oder mag sie gar bestätigen. Sehr wahrscheinlich handelt es sich bei allen Meldungen um bloße an die iranische Bevölkerung gerichtete Erfolgs-Propaganda. Im jüngsten Fall wird die Meldung sogar optisch mit einem Foto eines sinkenden Kriegsschiffes unterstützt. Experten erkennen allerdings, dass dieses Foto ein bei einer Übung mit scharfer Munition vor einigen Jahren in einem „Sinkex“ im Pazifik sinkendes Docklandungsschiff der US Navy zeigt.

 

PIRATERIE (Fortschreibung)

Vor dem Horn von Afrika blieb es in der abgelaufenen Woche ruhig, und auch aus Südostasien und Westafrika werden nur einige „ortübliche“ Versuche gemeldet, zu Diebstählen an Bord von ankernden oder im Hafen liegenden Handelsschiffen zu klettern.

Fünf am 26. November vor der nigerianischen Küste vom zypriotischen Frachter „Szafir“ entführte polnische Seeleute sind wieder frei. Zu den Umständen der Freilassung schweigt man sich aus; Lösegeldzahlung ist anzunehmen.

Aktuelle Entwicklungen bei Einsatzkräften

In Qingdao (China) hat sich am 6. Dezember die 22. Anti-Piraterie-Einsatzgruppe der chinesischen Marine auf den langen Weg in den Golf von Aden gemacht. Zerstörer „Qingdao“, Fregatte „Daqing“ und Versorger „Tai Hu“ gehören zur chinesischen Nordflotte. Sie werden für den Marsch ans Horn von Afrika etwa drei Wochen benötigen, dürften die derzeit dort operierende 21. Einsatzgruppe also um den Jahreswechsel herum ablösen
chinesischer Zerstörer ‚Qingdao‘ (Foto: china-defense.com)
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Der südkoreanische Zerstörer „Chungmugong Yi Sun-shin” und ein Seefernaufklärer P-3K2 der neuseeländischen Marine haben ihren Einsatz am Horn von Afrika beendet und kehren in die Heimat zurück. Auch das Mehrzweckschiff „Absalon“ der dänischen Marine ist aus dem Golf von Aden abgelaufen und hat sich im Mittelmeer dem NATO-Verband SNMG-2 angeschlossen. Die „Absalon“ war in den letzten Wochen unter NATO-Kommando in der Operation „Ocean Shield“ eingesetzt. Mit ihrem Ablaufen ruht diese Anti-Piraterie-Operation der NATO wieder. Sie wird seit einem Jahr in Abhängigkeit der Verfügbarkeit von Schiffen (z.B. bei Passage durch die Region) immer nur vorübergehend aktiviert.

 

ÄGYPTEN

Am 10. Dezember wurde bei HDW (TKMS) in Kiel des erste von vier für die ägyptische Marine gebauten U-Booten aus der Bauhalle gerollt und auf den Namen „S-41“ getauft.

Ende 2012 hatte Ägypten zunächst zwei U-Boote Typ 209 in Deutschland bestellt. Zunächst im Bundessicherheitsrat geäußerte Vorbehalte gegen das aufgrund der politischen Entwicklung in Ägypten umstrittene Projekt waren zuvor aufgegeben worden. Im Februar dieses Jahres konnte sich HDW bzw. der Mutterkonzern TKMS sogar noch über eine Nachbestellung von zwei weiteren U-Booten freuen.
Roll-out von ‚S-41‘ (Foto via Deutsche Marine)

Bei den Neubauten handelt es sich um konventionell diesel-elektrisch angetriebene (kein außenluftunabhängiger Antrieb) U-Boote, wie sie ähnlich vor einigen Jahren in Kiel auch für Südafrika (Typ 209-1400 SAN) hergestellt wurden. Die Lieferung des ersten Bootes soll schon für das kommende Jahr geplant sein. „S-41“ dürfte denn auch schon bald zu Wasser gelassen werden und mit ersten Erprobungen (zunächst noch an der Pier) beginnen.

 

RUSSLAND

Am 6. Dezember traf ein Verband der russischen Pazifikflotte im Stützpunkt Visakhapatnam der indischen Ostflotte ein.

Flottenflaggschiff „Varyag“ (ein FK-Kreuzer der SLAVA-Klasse), Zerstörer „Bystryy“, Tanker „Boris Butoma“ und Hochsee-Bergeschlepper „Alatau“ hatten zur Teilnahme an der diesjährigen bilateralen Marineübung „Indra-Naval 2015“ dorthin verlegt.

2002 hatte der damalige russische Verteidigungsminister Ivanov solche Übungen angeregt, die zunächst unter der Bezeichnung „Indra“ firmierten, inzwischen aber „Indra-Naval“ heißen; es gibt nämlich nun auch „Indra“-Übungen zwischen den Landstreitkräften beider Länder. „Indra“ bzw. „Indra Naval“ hat seitdem alle zwei Jahre stattgefunden, wobei der Schauplatz jeweils wechselte. 2003 wurde erstmals vor Wladiwostok geübt, „Indra-2005“ fand dann vor der indischen Küste statt, 2007 traf man sich erneut vor Wladiwostok, u.s.w.

Inhaltlich bleiben die Übungen der „Indra-Naval“-Serie hinter anderen größeren bilateralen Übungen der indischen Marine wie „Malabar“ (mit den USA) oder „Varuna“ (mit der französischen Marine) zurück. Komplexe Zweiparteienübungen vor dem Hintergrund eines taktischen Szenarios gibt es in der Regel nicht, auch wenn die Beteiligung an den Übungen durchaus „hochrangig“ ist. 2009 hatte sogar das Flaggschiff der russischen Nordflotte, der FK-Kreuzer „Peter Velikiy“ dazu nach Indien verlegt.

Die indische Marine beteiligte sich an „Indra-Naval 2015“ mit dem Zerstörer „Ranvir“, der Fregatte „Sahyadri“, dem U-Boot „Sindhuvir“, dem Versorger „Shakti“ und einem der neuen Seefernaufklärer Boeing P-8i Neptune. Weitere Flugzeuge und Hubschrauber – auch der Luftwaffe (Zieldarstellung) – unterstützen das Übungsgeschehen.
indische Fregatte ‚Sahyadri‘ (Foto: Michael Nitz)

„Indra-Naval 2015“ begann am 7. Dezember wie üblich mit einer dreitägigen Hafenphase. Am 10. Dezember verlegten die Teilnehmer dann zur Seephase in den Golf von Bengalen. Zu den genannten Übungsinhalten zählte die Sicherung eines Handelsschiffsverbandes (u.a. auch gegen Unterwasser-Bedrohungen), Anti-Terror-/Anti-Piraterie-Operationen mit Boarding durch von Hubschraubern abgesetzte Special Forces, seemännische- und Fernmeldeübungen, sowie ein abschließendes gemeinsames Artillerie-Luft- und Seezielschießen. Am 12. Dezember wurde die Übung mit Wieder-Einlaufen aller Einheiten in Visakhapatnam und einer Nachbesprechung an Bord der indischen Fregatte „Sahyadri“ beendet.

Wahrscheinlich wird der russische Verband am Montag (14. Dez.) wieder auslaufen. Die „Varyag“ soll dann ins Mittelmeer verlegen, um dort den Schwarzmeerkreuzer „Moskva“ als Flaggschiff des Mittelmeergeschwaders abzulösen (s.o. Bürgerkrieg in Syrien). Ob die anderen Schiffe den Kreuzer dorthin begleiten, eine andere Operation durchführen, oder aber die Heimreise antreten, ist derzeit noch offen.

 

USA

Begleitet von spekulativen Diskussionen um möglicherweise „mangelnde See-Stabilität“ hat der futuristisch anmutende Zerstörer DDG-1000 „Zumwalt“ am 7. Dezember die Bauwerft zu ersten Seeerprobungen vor der US-Atlantikküste verlassen.

‚Zumwalt‘ beginnt Erprobungen in See (Foto: US Navy)
Ursprünglich wollte die US Navy bis zu 32 der mit einer Verdrängung von 15.000 ts und einer Länge von 185 m größten jemals gebauten Zerstörer beschaffen. Sie sollten nicht nur die Nachfolge der ARLEIGH BURKE-Klasse antreten, sondern wegweisend für eine neue technologische Zukunft sein.

Eine nach dem Zerfall der Sowjetunion veränderte Bedrohungsperzeption, vor allem aber extreme Kostenüberschreitungen – inzwischen soll ein Schiff 7,5 Mrd. US-Dollar kosten – zwangen zu immer weiteren Abstrichen. Nach zunächst noch 24, dann nur noch sieben Schiffen wurde 2009 schließlich „die Reißleine gezogen“. Nun sollten nur noch drei Schiffe gebaut werden, um mit Blick auf die weitere Zukunft primär Funktionen als Erprobungsträger neuer Technologien (u.a. voll-elektrischer Antrieb, Railgun-Geschütz) zu erfüllen; an Stelle weiterer DDG-1000 wurden weitere Los ARLEIGH BURKE in Auftrag gegeben.

Alle drei Schiffe entstehen in Bath (Maine) bei der zu General Dynamics gehörenden Bath Iron Works. Typschiff DDG-1000 „Zumwalt“ soll nach diversen Verzögerungen nun bis Ende 2016 in Dienst gestellt, DDG-1001 „Michael Monsoor“ in 2017 geliefert werden. Mit Übernahme des dritten Zerstörers, DDG-1002 „Lyndon B Johnson“ wollte die US Navy das Vorhaben 2018 abschließen. Zurzeit ist allerdings fraglich, ob DDG-1002 zu Ende gebaut wird. Auf der Suche nach Einsparungsmöglichkeiten bei der Planung des Budgets für 2017 richtet sich im Pentagon der Blick fast zwangsläufig auch auf die neuen Zerstörer, die immerhin schon fast so viel kosten wie Flugzeugträger.

 

Dieser Artikel wird mit freundlicher Genehmigung der „MarineForum – Zeitschrift für maritime Fragen“ veröffentlicht.

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