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Geschrieben von Klaus Mommsen   
Die Hilfslieferungen des UN-World Food Programm (WFP) nach Somalia stehen vor schwerwiegenden Problemen, müssen möglicherweise sogar eingestellt werden.

Grund ist die Furcht vor Piraten. Etwa 90 % aller Hilfsgüter müssen über See in das Land transportiert werden – meist von Mombasa (Kenia) nach Mogadishu. Mehrfach waren in den letzten Jahren vom WFP gecharterte Schiffe bei ihrer Annäherung an somalische Gewässer von Piraten gekapert worden und kamen erst nach Zahlung von Lösegeld – und dann meist ohne Ladung – wieder frei. Immer weniger Reeder fanden sich daraufhin bereit, dem WFP ihre Schiffe für soIche Fahrten zu verchartern.

Marineforum - EVERTSEN bei WFP-Geleit (Foto: WFP) Im November 2007 besserte sich die Lage, als die französische Marine kurzfristig eine Fregatte abstellte, die die WFP-Transporte unter entsprechend robusten Rules of Engagement bis in den Hafen vom Mogadishu geleitete. Nach dreimonatigem Einsatz übernahm das dänische Fischereischutzschiff THETIS den Auftrag; sie wurde dann Ende März von der niederländischen Fregatte EVERTSEN abgelöst. Überfälle auf WFP-Frachter gab es seitdem nicht mehr.

Der Einsatz der EVERTSEN ging nun allerdings am 26. Juni zu Ende, und ein Nachfolger hat sich bisher nicht gefunden. Zwar hat sich Schweden konkret bereit erklärt, im Herbst die Aufgabe zu übernehmen, aber die mehrmonatige Lücke bis dahin bereitet dem WFP Kopfzerbrechen.

Schon Anfang Juni hat die UN-Organisation an alle Marinen weltweit appelliert, in ablösendem Einsatz Schiffe für die Geleitaufgaben abzustellen. Überall war die Reaktion bisher die gleiche: Politiker sehen einhellig die Notwendigkeit, begrüßen die Absicht, versprechen eine gründliche Prüfung der Bitte – und drücken sich dann um jegliche wie auch immer geartete Zusage. Stereotyp heißt es immer nur: „We are considering the request in the context of existing commitments“.

WFP-Regionaldirektor Peter Goosens hat diesbezüglich auch persönlich an die deutsche Bundesregierung appelliert. Trotz der humanitärer Hilfe in Berlin zugemessenen „größten Bedeutung“ muss man angesichts der derzeitigen Diskussion um eine Beteiligung der Deutschen Marine an der Bekämpfung der Piraterie aber eher skeptisch bleiben, dass sich deutsche Politiker zu einem Geleitauftrag für WFP-Transporte durchringen können.

So lange eine solche, tausende Kilometer von Deutschland entfernt und nicht auf deutschem Hoheitsgebiet stattfindende Operation aus teils doch recht vordergründigen, parteipolitischen Erwägungen heraus in einen Topf geworfen wird mit einem „Einsatz der Bundeswehr im Inneren“, ist von einer positiven Entscheidung kaum auszugehen. Da spielt es auch keine Rolle, dass bei einem Geleiteinsatz für WFP-Schiffe das Risiko einer Konfrontation mit Piraten zu vernachlässigen ist. Bei Franzosen, Dänen und Niederländern war allein bereits die Präsenz eines Kriegsschiffes in Sichtweite ausreichend, Piraten von jedem auch nur Versuch eines Überfalls abzuhalten.

Marineforum - Foto: WFP Unterdessen sprach Goosens in einem am 18. Juli von der BBC ausgestrahlten Interview von einer unmittelbar drohenden Katastrophe. Wie 1992/93 in Äthiopien, könnten hunderttausende Menschen dem Hungertod zum Opfer fallen. Dem WFP steht mittlerweile nur noch ein einziger Frachter mit überdies nur 8.000 t Transportkapazität zur Verfügung. Ohne Zusage militärischen Geleits lehnen Reeder einhellig die Abstellung von Schiffen für Fahrten an die somalische Küste ab.

Goosens deutete an, dass bei weiterer Verweigerung einer Abstellung von Kriegsschiffen das WFP gezwungen sein könnte, für den Schutz seiner Transportschiffe zivile Söldner anzuheuern







In Kooperation mit "MarineForum - Zeitschrift für maritime Fragen"

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Alle Informationen entstammen frei zugänglichen Quellen. Bildquelle: WFP



Letztes Update ( Montag, 21 Juli 2008 )
 
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