|
Geschrieben von Klaus Mommsen
|
|
Während die Erprobung der neuen seegestützten Interkontinentalrakete (SLBM) Bulava immer wieder von Rückschlägen begleitet ist, soll ein anderer Flugkörper seine Einsatztauglichkeit unter Beweis gestellt haben.
Am 17. Dezember meldeten russische Medien den Abschuss einer SLBM SS-N-23 Skiff (russ. Bez. RSM-54 Sineva) vom U-Boot TULA (DELTA-4-Klasse) aus dem Nordmeer in ein Zielgebiet bei Kamtschatka.
Bereits am 25. Dezember schoss die TULA erneut, und wieder war die Rede von einem Flugkörper Sineva, der „in einem einsatznahen Szenario“ vom getauchten U-Boot in der Barentssee gestartet wurde und wie vorgesehen sein Ziel im Kura-Schießgebiet auf Kamtschatka erreichte. Interessanterweise fand sich in den Meldungen für diesen Flugkörper nun aber sowohl die Bezeichnung RSM-54 als auch (bisher unbekannt) RSM-55.
RSM-54 ist seit Mitte der 80er Jahre als SLBM bei der russischen Marine eingeführt. Die Reichweite wird mit mehr als 8.000km angegeben. Jeweils 16 dieser mit bis zu vier nuklearen Gefechtsköpfen (100 kT) bestückten Raketen werden auf den U-Booten der DELTA-4-Klasse mitgeführt. Die dreistufige, mit Flüssigtreibstoff angetriebene SS-N-23 gilt als die zuverlässigste russische SLBM. Die derzeit etwa 20 Jahre alten DELTA-4 sollen auch nach Zuführung der ersten neuen strategischen U-Boote der BOREJ-Klasse (für die SLBM Bulava vorgesehen sind) noch in Dienst bleiben.
Eine 1999 erfolgte Ankündigung über eine Wiederaufnahme der Produktion kann daher nicht verwundern. Offenbar handelt es sich bei den neuen SLBM aber nicht um eine bloße Serienfertigung weiterer RSM-54 zum Austausch älterer und als Ersatz für einige im Laufe der letzten 20 Jahre verschossenen FK, sondern um eine Variante.
Russische Nachrichtenagenturen berichteten jedenfalls, dass beim Testschießen der TULA am 25. Dezember ein neuartiger „Hybrid-FK“ zum Einsatz gekommen sei. Dieser ebenfalls als Sineva (aber eben als RSM-55) bezeichnete SLBM sei nicht mit herkömmlichen Gefechtsköpfen bestückt, sondern trage Marschflugkörper. Diese würden von der bewährten Rakete über globale Distanzen in ein Zielgebiet befördert, wo sie sich vom SLBM lösten und dann eigenständig wie ein üblicher Marschflugkörper im Tiefstflug den eigentlichen Zielanflug durchführten. Sie seien damit durch übliche Raketenabwehrsysteme nicht zu bekämpfen.
Der Wahrheitsgehalt dieser Meldungen lässt sich aus öffentlich zugänglichen Quellen vorerst leider nicht verifizieren.
In Kooperation mit "MarineForum - Zeitschrift für maritime Fragen"

Alle Informationen entstammen frei zugänglichen Quellen. Bildquelle: russ. Marine
|
|
Letztes Update ( Montag, 07 Januar 2008 )
|