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Lateinamerika - Brasilien (Brazil) - Übersicht E-Mail
Geschrieben von Erich Sczepanski   
Artikel Inhalt
Übersicht
Einführung
Wirtschaftliche Entwicklung
Eigene Stärken Brasiliens
Rohstofflager der Welt
Wirtschaftsentwicklung
Wirtschaftszentren
Landreform und Infrastruktur
Einzelne Industriebereiche
Energieprobleme
Erdöl und Ölersatz
Nuklearprogramm
Staatshaushalt
Militärisches Potential
Brasilien Brazil



Erdöl und Ölersatz







Eigene Erdölreserven:
Ursache für das schon unter der Militärregierung des Landes forcierte „Ölersatzprogramm“ warem die geringen Erdölreserven des Landes, das bisher im Wesentlichen nur über erschlossene Vorkommen im Südatlantik verfügt.

Die bewiesenen Vorräte in Brasilien beliefen sich 2006 auf geschätzt 1,5 Milliarden Tonnen Öl und 326 Milliarden Kubikmeter Gas. Ein großer Teil der Reserven lagert in tiefliegenden Offshore-Feldern. Im November 2007 wurde 250 km vor der Bucht von Santos (zwischen Rio de Janeiro und Sao Paulo) das große Ölfeld "Tupi" mit Reserven von 5 bis 8 Mrd. Fass qualitativ hochwertiges Rohöl entdeckt. Die in 5.000 bis 7.000 m Tiefe unter dem Meeresspiegel lagernden Funde verteilen sich auf eine Fläche von 800 x 200 km. Dadurch vergrößern sich die Reserven Brasiliens auf mehr als 20 Mrd. Barrel Öl. Wenn alles gut geht, werden ab 2010 täglich 100.000 Barrel gefördert werden können - was die tägliche Förderleistung Brasiliens auf etwa 2 Mio. Barrel erweitern könnte. Es geht aber noch besser: in ähnlichen geologischen Formationen entlang der Küste wurden noch erhebliche weitere Mengen an Erdöl und Gas gefunden. Im Januar 2008 wurden neue Gas- und Ölfelder rudn 3000 km vor den Küsten von Santos und Rio de Janeiro entdeckt. 5000 m unter dem Meeresspiegel - überdeckt von mächtigen Fels- und Salzablagerungen - liegt ein weiteres Lager fossiler Brennstoofe mit 5 bis 8 Mrd. Barrel Öl in einem Radius von rund 400 km. Beide Felder zusammen werden - nach Schätzungen - eine tägliche Förderung von 30 Mio. cbm Gas erlauben. Brasilien kann damit die bisher aus Bolivien importierten Gasmengen durch eigene Förderungen ersetzen. 

2006 wurden in Brasilien 11,5 Milliarden Kubikmeter Gas gewonnen. Die geförderten Gasmengen reichen nicht für die Deckung des eigenen Bedarfs aus, der 2006 bei mehr als 19 Milliarden Kubikmetern lag. Die fehlenden Mengen wurden aus Bolivien und Argentinien importiert. Dazu ist im Rahmen des MERCOSUR eine Gaspipeline vorgesehen, die von Venezuela aus die Mitgliedsländer bis Argentinien mit venzolanischem Gas versorgen soll. 

Brasilien verbraucht derzeit (Stand 2005) täglich knapp 1,8 Mio. Barrel Öl – gerade einmal soviel, wie (seit der Einweihung der Förderinsel P-50) aus den eigenen Quellen des Landes gefördert werden kann. Dabei hat sich Petrobras - der staatliche brasilianische Ölkonzern - zu einem führenden Unternehmen bei der Erkundung und Förderung von Vorkommen tief unter dem Meeresspiegel entwickelt. Anfang 2007 kontrollierte Petrobras mehr als 95 Prozent der Rohölvorräte und 90 Prozent der Gasreserven des Landes. Ergänzend betrieb Petrobras elf Ölraffinerien sowie das landesweite Öl- und Gas-Transportnetz. Das waren 6400 Kilometer Öl- und 2500 Kilometer Gasleitungen sowie Küstenterminals und Speicher.

Ölersatz: Zuckerrohr statt Benzin
Brasilien ist weltweit Marktführer bei der Produktion von Bio-Treibstoff zur Energieversorgung. Bio-Treibstoff aus Brasiliens Zuckerrohr-Plantagen ist inzwischen an fast allen Tankstellen des Landes zu haben – zur Hälfte des Preises, der für die üblichen Destillate aus Erdöl gefordert wird. Darüber hinaus werden auch den petrochemischen Treibstoffen etwa 25 % Alkohol beigemischt, und nirgends kann der alkoholische Benzinersatz so günstig hergestellt werden wie in Brasilien - das ehemalige "Zuckerrohr-Paradies" Kuba vielleicht ausgenommen. Etwa die Hälfte der Zuckerrohrproduktion des Landes wird inzwischen zu Ethanol verarbeitet.

Brasilien betreibt seit dem weltweiten Erdölschock der siebziger Jahre das weltweit größte Modellvorhaben mit Bio-Treibstoff, der aus nachwachsenden Ressourcen gewonnen wird. Die Militärs begannen seinerzeit, mit dem Programm "Poalcool" eine Alternative zum fossilen Treibstoff zu suchen. Was in Europa (an einzelnen Tanksäulen) aus Raps zu haben ist, das ist in Brasilien inzwischen flächendeckend aus Zuckerrohr gewonnen. Das süße Gras diente traditionell der Herstellung von Zucker und einem alkoholischen Getränk, vor allem aber - und zunehmend - der Produktionvon Benzinersatz. Ethanol, oder Bio-Alkohol ersetzt zunehmend den üblichen Verbrennungsmotor. Aus der Rekordernte von 2006 (mit 475 Mio. t.) wurden nur 30 Mio. t Zucker, aber schon 17,8 Mrd. Liter Ethanol gewonnen, von denen 3,5 Mrd. Liter ins Ausland exportiert wurden.  Brasilien ist damit eines der „Schwellenländer“, die die Forderungen des Kyoto-Protokolls zur Reduzierung der Umweltbelastungen durch Treibhausgase erfüllen. Bereits die Zuckerrohrplantagen absorbieren erhebliche Mengen von Kohlendioxid, mehr, als bei der späteren Produktion von Treibstoff und der Verbrennung freigesetzt wird. Die rund sechs Mio. Hektar (Stand 2006, bis zu 100 Mio. Hektar sollen für den Anbau geeignet sein) Anbaufläche tragen also gezielt zum Abbau der CO² Belastungen bei. Allerdings - während die Zuckerbarone gemeinsam mit der Holzmafia die Amazonasregion ins Visier nehmen (80 Mio. Hektar potentielles Anbaugebiet) schlagen die ersten Umweltschützer Alarm. Exzessive Zuckerrohrwirtschaft könne nicht das Ziel der Entwicklung sein. 3/4 der Millionen Tonnen Giftstoffe, die von Brasilien aus in die Luft gelangen, sollen von Brandrodungen stammen - die sich wie in Indonesien als Geschwüre in den unberührten Tropenwald auswuchern. In den 35 Jahren seit 1970 wurde am Amazonas ein Gebiet von der Größe Frankreichs kahlgeschlagen, und auch wenn sich nationale Interessenten um eine Reduzierung des Raubbaus bemühen: 2006 verschwanden nach offiziellen Angaben immer noch 16.700 km² Regenwald - während Naturschutzverbände den Verlust sogar mit jährlich 23.000 km² angeben.

Brasiliens nationaler Ölmulti „Petrobras“ baut inzwischen die erste „Alkoholpipeline“ der Welt, die die beiden Wirtschaftszentren Rio de Janeiro und Sao Paulo verbinden soll.
Den Durchbruch erzielte 2003 der Autobauer VW mit seinem Modell „Fox“, und einem Motor, der Bio-Alkohol, normales Benzin oder jede Mischung dieser beiden Treibstoffsorten anstandslos schluckt. Dieser „Mischmotor“ begeisterte die Brasilianer, die mit der Abhängigkeit von einer Treibstoffsorte schlechte Erfahrungen gemacht hatten. Inzwischen bietet fast jeder der Anbieter auf dem brasilianischen Fahrzeugmarkt entsprechende Modelle an, deren Gesamtabsatz inzwischen die Zahl der „Normalfahrzeuge“ übersteigt. Bis 2010 wird erwartet, dass nahezu alle neu zugelassenen Fahrzeuge den flexiblen Zugang zu beiden Treibstoffsorten ermöglichen – und dass rund 90 % aller Fahrzeuge mit dem „Flex-Fuel-Motor“ (derzeit - 2006 75 % der Neuwagen, bei VW do Brasil sogar sämtliche Neufahrzeuge) tatsächlich auch Treibstoffersatz aus dem nachwachsenden Rohstoff verwenden werden. Über 20 % aller Autos fahren derzeit (Stand April 20008) mit Biotreibstoff, der ca. 1 Mio. direkte und 6 Mio. indirekte Arbeitsplätze schafft. Im wichtigsten Zuckerrohranbaugebiet - im Westen der Millionenstadt Sao Paulo und damit "nahe am Markt" wachsen hunderte neuer Zuckermühlen und Destillier-Anlagen aus dem Boden. Experten schätzen bereits jetzt (2006) das Investitionsvolumen, das beinahe ausschließlich von brasilianischen Unternehmern wie dem Konzern Cosan getragen wird, auf knapp 20 Mrd. $. Nach Mitteilung des US-Landwirtschaftsministeriums werden alleine im Rechnungsjahr 2007/08 insgesamt 16 neue Destillierraffinerien eröffnet werden - gefolgt von weiteren 32 Anlagen im Jahr 2008/2009 - und ein Ende des Booms ist nicht absehbar.

Steigende Erdölpreise – und der Hunger der weiterhin verschwenderischen USA und der süd- und ostasiatischen Boomländer (insbesondere Indiens und Chinas) lassen längerfristig zumindest stabil hohe Preise erwarten – werden zu einem weiteren Wachstum der Bio-Treibstoffumsätze führen.

Inzwischen interessieren sich auch andere Staaten für das „brasilianische Modell“. So verhandelt das dicht besiedelte Japan (Stand 2005) über Alkohol-Lieferungen aus Brasilien, um die Abhängigkeit von immer teureren Ölexporten zu reduzieren. Im März 2007 hat Brasilien  - gemeinsam mit den USA, dem weltweit größten Ethanol-Produzenten - ein internationales Forum für Biotreibstofe gegründet, dem auch die EU, China, Indien und Südafrika angehören. Die USA und Brasilien produzieren derzeit gemeinsam etwa 70 % des weltweiten Angebots. Argentinien, Kolumbien, Ecuador - und vielleicht auch Kuba - wollen als Produzenten einsteigen. Brasilien will bis zum Jahr 2017 die Produktion auf 30 Mrd. Liter steigen und dann auch in großem Maßstab von einem weltweiten Bedarf profitieren, der nach Berechnungen der Internationalen Energie-Agentur bis 2020 von derzeit 40 auf 120 Milliarden Liter jährlich steigen soll. 

Umweltschützer haben inzwischen erste Proteste organisiert - weil viele der Zuckerrohrfelder in den Amazonas-Urwald gebrannt werden und nach der Erschöpfung der Böden nur noch eine trockene Steppe bleibt. Dabei verfügt Brasilien über 50 bis 200 Millionen Hektar ungenütztes, für Landwirtschaft geeignetes Brachland. Dieses Brachland in die Produktion einzubinden, würde den Druck auf die Urwälder mindern und gleichzeitig zur Wiederbelebung der verarmten Bundesstaaten beitragen.

Externer Link:
Wirtschaftswoche 03.10.2006 -  Bioethanol ganz ohne Subventionen: Neue Scheichs - (www.wiwo.de)
Wirtschaftswoche 27.03.2006 - Schnaps Renner gegen Benziner - (www.wiwo.de)

Eine weitere Innovation wird ebenfalls in Brasilien voran getrieben. Biodiesel soll aus Soja, Palmöl oder Rizinus gewonnen werden.

Durch den Ersatz von fossilen Brennstoffen mit Bio-Treibstoffen wird gehofft, ab 2010 von der täglichen Fördermenge etwa 300.000 bis 500.000 Barrel exportieren zu können. Damit wird Brasilien ein weiterer Lieferant, der seine Wirtschaft durch Exporterlöse auf dem Hochpreismark „Erdöl“ fördern kann.

Einsatz von Kleinkraftwerken (bis 30 MW)
· 2500 MW





Letztes Update ( Samstag, 13 September 2008 )
 
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