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Lateinamerika - Brasilien (Brazil) - Übersicht E-Mail
Geschrieben von Erich Sczepanski   
Artikel Inhalt
Übersicht
Einführung
Wirtschaftliche Entwicklung
Eigene Stärken Brasiliens
Rohstofflager der Welt
Wirtschaftsentwicklung
Wirtschaftszentren
Landreform und Infrastruktur
Einzelne Industriebereiche
Energieprobleme
Erdöl und Ölersatz
Nuklearprogramm
Staatshaushalt
Militärisches Potential
Brasilien Brazil



Energieprobleme







c) Energieprobleme:
Derzeitiger Energiemix:
Brasilien gehört zu den 15 größten Wirtschaftsnationen der Welt. Derzeit (Anfang 2007) stammen 42,9 %  der brasilianischen Primärenergieträger aus Erdöl, 27,0 % aus Biomasse und Abfall, 13,8 % aus erneuerbaren Energieen (insbesondere Wasserkraftwerken), 7,8 % aus Erdgas, 7,0 % aus Kohle, 1,5 % aus Atomkraftwerken (Quelle: Süddeutsche Zeitung, Ostern 2007).

Etwa 90 Prozent des brasilianischen Strombedarfs wird durch Wasserkraftwerke gedeckt (2000), die sich vor allem im Süden des Landes finden. Der trockene Nordosten - aber auch das Gebiet der Urwaldflüsse um den Amazonas - sind für diese Art der Energieerzeugung nur wenig geeignet. Andere Energiequellen für Stormerzeugung spielen bislang eine unwichtige Rolle:
· Wasserenergie : ca. 85 % 
· Fossile Brennstoffe : ca. 5% 
· Nuklearenergie : ca. 4,5 % (2008 bis 2010 auf 5,7 % anwachsend)
· Importe (aus Paraguay) : ca. 2.5% 
· Alternative Energien : ca. 0.5%
(Wind-, Sonnenenergie, Biomasse) 

Die aus Staudämmen gewonnene Wasserkraft scheint gerade in einem tropischen, relativ flachen Land nicht unproblematisch zu sein. Wie neueste Forschungsergebnisse (Dezember 2006) zeigen, zersetzen sich in den überfluteten Wäldern gigantische Mengen an Biomesse, die Kohlendioxid und Methan erzeugen und damit mehr klimaschädliche Gase freisetzen als ein Kohlekraftwerk vergleichbarer Größe (Quelle: Wirtschaftswoche Nr. 51/2006).

Bei einem Energieverbrauch, der alleine innerhalb eines Jahres bis September 2004 um fast 8 % stieg, sind schnell die "Grenzen des Wachstums" erreicht. 
Ins Blickfeld der Brasilianer rückte das Thema nach der schweren Stromkrise Ende 2001, die zu Rationierung und Fabriken-Stilllegungen führte. Seit April 2001 gibt es ein Programm zur Förderung alternativer Energien, PROINFA. Ziel des Projekts ist es, bis 2006 insgesamt 3300 MW Elektrizitätsleistung aus erneuerbaren Energien ans Netz zu bekommen.
Energieminister Jose Jorge verkündete dieses Notprogramm am 05. Juni 2001 zur Steigerung der Energieerzeugung für die Jahre 2001 bis 2003. Geplant war die Erweiterung bestehender bzw. der Bau von 20 neuen Wasserkraftwerken. Hierdurch sollte schon in Jahresfrist die Energieerzeugung um 1116 MW erweitert werden. Hinzu kommen 41 Wärmekraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 14000 MW. Bis 2003 sollten diese Kraftwerke in der Lage sein, 10000 MW zur Verfügung zu stellen. Zudem wurde der Bau von 5707 km Übertragungsleitungen vorgesehen.

Das vom Ministerium für Wissenschaft und Technik koordinierte "Ständige Forum für Erneuerbare Energieformen" hat für Systemeinführungen für den brasilianischen Markt bis 2005 unter anderem folgende Ziele gesetzt: 
(Quelle: Deutsch-Brasilianische Industrie- und Handelskammern)

Sonnenenergie
· 50 MW stehende Kapazität in Form von Lichtumwandlern 
· 3 Mio. m² Aufnahmefläche für Sonnenlicht als Energiequelle 

Windenergie
· 1050 MW stehende Kapazität (bisher 22 MW) 
Mit Hilfe Dänemarks und des Deutschen Entwicklungsdienstes soll diese Energieart in Brasilien massiv entwickelt werden (brasilianisches Förderprogramm "PROEOLICO"). Vor allem in Ceará, dem ärmsten Staat Brasiliens, im trockenen Nordosten, sind die Voraussetzungen günstig. Der brasilianische Staat gilt unter Experten als ein Art Wind- Eldorado, denn in den flachen Küstenregionen weht ein steter Wind. Das Potenzial der Gesamtleistung der Windturbinen beträgt in Brasilien laut Jens-Peter Molly vom Deutschen Windenergie-Institut Dewi 140 Gigawatt. Zum Vergleich: Die gesamte Kraftwerksleistung des Landes liegt derzeit bei 60 GW. "In Brasilien sind 30 Gigawatt Windenergie ohne weiteres machbar", meint der Dewi- Chef. Nötig seien Investitionen von 30 Milliarden Euro. Die Chancen seien aber "sehr groß". Bislang (Stand 2003) sind in ganz Brasilien nur 22 Megawatt Windenenergie-Leistung installiert - 20 MW davon in Ceará.
Quelle: DEG - Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft
Quelle: DEWI Magazin Nr. 19, August 2001
Quelle: Bundesumweltministerium, Innovationsreport vom 03.06.2004

Biomasse
· 3000 MW stehende Kapazität unter Einbeziehung von Zuckerrohrbagasse 
· 1000 MW stehende Kapazität unter Einbeziehung von Abfällen aus der Papier- und Zellstoffindustrie 
· 250 MW stehende Kapazität an Wärmekraftwerken mit Brennholzbetrieb aus Aufforstungen 
· 150 MW stehende Kapazität aus pflanzenölbetriebenen Kleinkraftwerken.

Das im Mai 2004 angelaufene Proinfa-Programm soll Windstrom, kleinen Wasserkraftwerke sowie Strom aus Biomasse wie Pressrückstände aus der Zuckererzeugung, Holzresten oder Reisschalen unterstützen. In zum Jahresende 2006 sollen 3300 Megawatt installiert werden. Die Regierung garantiert die Stromabnahme über 20 Jahre zu attraktiven Preisen, bei der Finanzierung der Projekte hilft die staatliche Entwicklungsbank.

Nach österreichischer Veröffentlichung aus dem Jahr 2008 beabsichtigt Brasilien darüber hinaus für die kommenden 50 Jahre den Bau von fast 60 Atomkraftwerken. Die für die nächsten fünf Jahrzehnte geplanten Anlagen sollten insgesamt 60.000 Megawatt Strom erzeugen.

 



Letztes Update ( Samstag, 13 September 2008 )
 
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