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Kulturen im Konflikt
Islamische Kulturen
Maghreb - Marokko | Maghreb - Marokko - Einführung |
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| Geschrieben von Erich Sczepanski | ||||||
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Gesellschaft und Wirtschaft: Seit 1999 wird Marokko von König Mohammed VI. regiert - einem in westlichen Augen durchaus fortschrittlichen Regenten, der Marokko modernisiert. "Regiert" ist richtig, denn die Verfassung und das politische System räumen dem Herrscher nicht nur ein Letztentscheidungsrecht ein. Die Minister für Inneres, Außenbeziehunen, Verteidigung und Religiöse Angelegenheit - also die Leiter der vier "Schlüsselressorts der Sicherheitspolitik" werden vom König bestimmt, der über sein traditionelles Beziehungsgeflecht, die "Mahsen" wesentlich mehr Einfluss ausübt als die vom gewählten Parlament bestimmte Regierung. Dieses Beziehungsgeflecht wird von der parlamentarischen Opposition als "Vettern-" und "Klüngelwirtschaft" gegeißelt. Die Opposition ist vor allem eine Vertretung der Unterpriveligierten, der sozial Schwachen in der Gesellschaft. Auch in Marokko besteht - wie in Ägypten - eine zunehmende Kluft in der Gesellschaft, zwischen Arm und Reich. Steigende Preise sorgen genauso wie die hohe Arbeitslosigkeit für massive soziale Probleme, von denen zwei in der Ausrichtung völlig unterschiedliche politische Kräfte profitieren.
Marokko hat - wie alle Staaten Nordafrikas - ein gewaltiges Problem: für die nachwachsende Jugend müssen Arbeitsplätze und entsprechende Aussichten auf eine sinnvolle Zukunft geschaffen werden. Dazu müssen Hunderttausende von Arbeitsplätzen geschaffen werden - Marokko braucht ein Wirtschaftswachstum, das höher ist als der Zuwachs der Bevölkerung. Nur so kann auch das Einkommen wachsen und steigenden Bedürfnissen angepasst werden. Den ersten Schritt dazu hat Marokkko bereits gemacht: über 1/4 des Staatshaushalts wird seit 2002 in die Verbesserung der Bildung investiert - von den Grundschulen bis zu den Universitäten. Darüber hinaus versucht Marokko, durch stetige Investitionen vor allem auch den Norden des Landes zu fördern.
Inzwischen versucht Marokko, auch wirtschaftlich in Konkurrenz mit Spanien zu treten – konkret mit dem nahe liegenden spanischen Hafen Algeciras – und den Urlaubszentren im Süden Spaniens. Der zweite Bauabschnitt wird im Jahr 2008 in Betrieb genommen werden. Bis 2012 ist dann schon eine Jahreskapazität von 8,5 Mio. Containern geplan. Bis 2030 soll der Umschlag in dem dann größten Tiefwasserhafen Afrikas noch weiter anwachsen. Ein weiterer Bauabschnitt wird nach den Plänen der Regierung eine Ro-Ro-Anlae für jährlich 1,5 Mio. Fahrzeuge und 5 Mio. Passagiere aufnehmen. Besonderes Augenmerk legt Marokko dabei auch auf drei neue Sonderwirtschafszonen in der Nähe des Hafens. Neben Logistik- und Handelsunternehmen soll hier auch verarbeitende Industrie entstehen, die mit den im Hafen angelandeten Einzelteilen weitere Erzeugnisse zusammen baut. Renault hat bereits erklärt, in Tanger ein Werk zu bauen, in dem ab 2010 jährlich Automobile für Europa montiert werden sollen. Wenn - endlich - einmal die Handelshindernisse zwischen den arabischen Staaten beseitigt sind, dann können solche Montagewerke sehr schnell der Einstieg für eine lokale Automobilproduktion werden, um den arabischen Markt mit seinem großen Potential zu erschließen. Ein Handelsabkommen mit der EU - und ein Freihandelsabkommen mit den USA - erlaubt den zollfreien Export der in Marokko gefertigten Güter.
Tanger selbst - über Jahrzehnte hin in einem "Charme des Verfalls" gefangen - wird zusehends zu einem touristischen Anziehungspunkt. Der alte Hafen soll - nach dem Vorbild anderer Hafenanlagen an der europäischen Mittelmeerküste - zunehmend zur Aufnahme von Luxusyachten verwendet werden, in dem Maße, in dem die neue Hafenanlage in "Tanger Méditerranée" ihren Betrieb aufnimmt. "Tourismus" ist dann auch ein weiteres Standbein der Entwicklung, auf das Marokkos Regierung - nach dem Beispiel Tunesiens - die Entwicklung des Landes stellen möchte.
Darüber hinaus bietet sich Marokko für eine weitere Branche an: das "klassiche Land" des IT-Outsourcings gerät inzwischen in diesem Bereich an die Grenzen des Wachstums. Die indischen Hochschulen sind nicht in der Lage, so viele qualifizierte Fachleute auszubilden wie von der IT-Industrie benötigt werden. Nordafrika bietet sich als Alternative an. Von Marokko bis Tunesien wird französisch als Hauptsprache bereits in den Schulen gelehrt, aufgrund der Nähe von Spanien zählt im Norden Marokkos auch spanisch zu den Sprachen, die schon von Kindern und Jugendlichen beherrscht werden. Dementsprechend haben sich in Tanger bereits mehrere Callcenter angesiedelt.
Ein weiteres Standbein der Marokkanischen Wirtschaft soll der Tourismus werden. Marakkesch, die alte Berbermetropole im Hinterland, kann bereits jetzt jährlich zehntausende von Touristen zählen. Nun wird die Küstenregion von Tanger für den Tourismus erschlossen. Bis 2010 sollen es jährlich mehr als 10 Mio. Touristen werden, die den Weg nach Marokko finden. Damit könnte Marokko - nach Tunesien - der zweite nordafrikanische Staat werden, dem der Tourismus den entscheidenden wirtschaftlichen Impuls für ein stabiles Wirtschaftswachstum gibt.
Marokkos Weg scheint zu gelingen. Dank des Wirtschaftswachstums von über 8 % - derzeit insbesondere auch durch die Bauwirtschaft getragen - konnte die Arbeitslosenquote auf unter 10 % gesenkt werden. Rund 150.000 neue Arbeitsplätze sollen insgesamt entstehen – und damit einen Beitrag leisten zur Bekämpfung des Drogenanbaues, von dem im Rif-Gebirge um die 100.000 Familien mit 800.000 Menschen leben. Die neuen Arbeitsplätze sollen beitragen, den Canabis-Anbau auf über 130.000 Hektar Fläche zu reduzieren. Die Cannabispflanze - auf arabisch Kif genannt - wird in Marokko schon seit Jahrhunderten angebaut, und finanziert inzwischen auch den islamischen Terror.
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| Letztes Update ( Dienstag, 26 August 2008 ) | ||||||