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Ein Staat zerfällt: Nach einem blutigen Bürgerkrieg und dem misslungenen Einsatz internationaler Friedenstruppen ist der Staat inzwischen in Agonie versunken. Vor der Nortostspitze Somalias, zwischen Haradare und dem 400 km südlich gelgenen Mogadischu häuften sich Überfälle und Kaperungen durch moderne Piraten. Einzelne Stämme haben die Herrschaft in ihrem Stammesgebiet übernommen.
Bereits 1991 erklärte sich "Somaliland" im Nordwesten zwischen dem Golf von Aden, Dschibuti und Äthiopien gelegen, für unabhängig. Obwohl weltweit nicht anerkannt hat sich hier, im Stammesgebiet der Issaq. ein gut funktionierendes, stabiles politisches Gebilde entwickelt, das vor allem auch - wie Dschibuti - vom Transfer äthiopischer (und für Äthiopien bestimmter) Waren über den Hafen von Berbera lebt.
Im Osten schließt sich direkt am "Horn von Afrka" das bereits erwähnte "Puntland" an. 1996 - 1998 gab es mehrere Schritte zur Autonomie des vom "Darod-Stamm" besiedelten Gebietes. Die einseitige Unabhängigkeitserklärung von 1998 wurde allerdings nicht vollzogen - möglicherweise weil der Übergangspräsident der von der UN anerkannten somalischen Regierung, Abdullah Yusuf Ahmed, dem Stamm angehört, der sich damit bestimmenden Einfluss auf die restlichen Teile Somalias erhoffen könnte. Der Darod-Stamm besiedelt auch das südliche Grenzgebiet zu Äthiopien und Kenia in einem Bereich, der von den Städten Luq über Bardera bis zur Hafenstadt Kismayo reicht.
Südlich an Puntland angrenzend liegt - unter Einschluss von Mogadischu - das Territorium des mit dem "Darod-Stamm" verfeindeten Hawiye-Stammes, die mit dem Islamistenführer, Scheich Hassan Dahir Awyes den Sprecher der "Union Islamischer Gerichte" stellen, die sich im Kampf gegen die Übergangsregierung Somalias befindet.
Quelle der Karte: Somalia ethnic groups 2002 - Wikipedia
Die unterschiedlichen - von Stammesfürsten und Kriegsherren geführten - Machtgruppen bildeten nach mühsamen Verhandlungen eine von den UN und dem Nachbarn Äthiopien unterstützte Regierung, ein loses Zweckbündnis von Geschäftemachern und Kriegsfürsten, die in Baidoa nahe der äthiopischen Grenze im Stammestgebiet der Rahanweyn residiert und in Somalia als "Werkzeug Äthiopiens" interpretiert wird.
In Mogadischu - der eigentlichen Hauptstadt - hat im Mai 2006 eine "Union der islamischen Gerichtsbarkeit" um den Scheich Hassan Dahir Aweys die Macht übernommen. Dies ist ein Bruch mit der überkommenen Rolle der Scheichs. Diese religiösen Experten halten sich traditionell aus den Konflikten der Stämme heraus - ihre Aufgabe ist, zwischen den Clans neutral zu vermitteln und nicht selbst in die Konflikte aktive einzugreifen. Die bewaffneten Einheiten des "Rates der islamischen Gerichte" vertrieben die örtlichen Kriegsherren, brachten die Hauptstadt Mogadischu unter ihre Kontrolle und die staatliche Ordnung zurück. Die Scharia Gerichtshöfe genossen aufgrund ihrer schnellen, effektiven und fairen Entscheidungen bei der Bevölkerung Akzeptanz. Seitdem waren die Straßen sicher, Flugverbindungen funktionierten und auch der Hafen hatte seinen Betrieb wieder aufgenommen. Sie eroberten im August 2006 auch die etwas abseits der Küste gelegene Stadt Haradere, die bisher als Hauptstützpunkt der gefürchteten somalischen Piraten galt - mit einem bemerkenswerten Effekt: die vom "International Maritime Bureau" in Londen erfassten Piratenangriffe haben vor der somalischen Küsten deutlich nachgelassen. Ausgerechnet "islamische Fundamentalisten" schaffen in einem in Chaos versunkenen Land neue Ordnung. Ende September 2006 wurde dann 500 km südlich von Mogadischu die strategisch wichtige Hafenstadt Kismayo "ohne eine Kugel abzugeben" erobert; die Miliz von Barre Shire Hirale, der als Verteidigungsminister in der Übergangsregierung amtiert, habe die Flucht ergriffen. 
Externer Link und Quelle der Karte: Geschichte Somalias - (www.wikipedia.de)
Die Union der Islamischen Gerichte eint der gemeinsame Wille, die Herrschaft der Warlords zu beenden, die aus der gescheiterten Intervention der Amerikaner hervorgegangen sind. Nach Aussage eines Expertengremiums der UN (Ende 2006) dürfte es sehr enge Beziehungen zwischen Islamisten in Somalia, Eritrea, Saudia-Arabien, Syrien und dem Iran geben. Hunderte von somalischen Freiwilligen sollen die Kämpfer der Hizbollah im Libanon unterstützen, und aus dem Iran sollen Waffenlieferungen erfolgt sein. Die Aufzählung der Unterstützer zeigt aber auch, dass es sich bei der Union der Islamischen Gerichte um keinen einheitlich monolithischen Block handeln kann. Der saudischen Lehre des Wahabismus entspricht ein sehr starker schiitischer Einfluss, und beide Ausprägungen des Islam stehen sich in starker Aversion gegenüber.
Äthiopien - das sich seit Jahrhunderten als christliches Bollwerk gegen den Islam versteht - und die Vereinigten Staaten sahen diese Gruppierung mit Sorge. Gerade im Westen wurde befürchtet, dass die immer noch nicht aus Afghanistan vertriebene Terrorgruppe "Al Quaida" mit ihrem saudischen Führer Bin-Laden in Somalia, am Südausgang des Roten Meeres und damit in strategisch wichtiger Lage, ein neues "Taliban-Regime" errichtet. In den ersten Monaten der Machtergreifung seien wiederholt Fußball-Übertragungen im Fernsehen verboten, Hochzeitsfeiern gestört und auch ein Radiosender geschlossen worden, weil dieser Unterhaltungsmusik gespielt habe. Die USA und Äthiopien finanzierten daraufhin Anfang 2006 die lose Gruppierung von Warlords, die in der Regionalhauptstadt Baioa eine von der UN anerkannte Gegenregierung installiert hatten, mit dem Ziel, die Scharia-Richter militärisch zu vernichten. Die von der UN anerkannte Übergangsregierung der UIC - einem Verband von Kriegsherren, die sich als Anto-Terror-Kämpfer ausgeben - erhält vor allem aus Äthiopien militärische Unterstützung, die von den USA gefördert wird. Nach Berichten sollen die Kämpfe zwischen den somalischen Islamisten unter Führung von Scheich Hassan Dahir Aweys einerseits und der von der UNO anerkannten und von Äthiopien unterstützten Regierungstruppen andererseits vor den Weihnachtstagen 2006 massiv eskaliert sein - bis hin zum Einsatz äthiopische Panzerstreitkräfte und schwerer Artillerie in den Gefechten um die Stadt Baidoa sowie zum Angriff äthiopischer Kampfflugzeuge auf den erst wenige Monate vorher wiede eröffneten Flughafen von Mogadischu.
Diese Kämpfe scheinen für die somalischen Islamisten nicht besonders erfolgreich zu verlaufen. Denn diese haben, wie die Tagesschau - "Angst in Mogadischu" an Weihnachten berichtete: "...erstmals ausländische Muslim-Kämpfer zum Heiligen Krieg gegen Äthiopien aufgerufen. "Lasst sie in Somalia kämpfen und den Dschihad führen, und - so Gott will - Addis Abeba angreifen", sagte der Militärchef der Bewegung der Islamischen Gerichte, Yusuf Mohamed Siad. "Wir wollen, dass alle herkommen, die helfen können, den Feind zu vertreiben", erklärte der auch als Inda'ade bekannte Anführer auf einer Pressekonferenz in Mogadischu."
Tatsächlich ist es den vereinigten Einheiten der somalischen Übergangsregierung und Äthiopiens gelungen, noch in den letzten Tagen 2006 die Hauptstadt Mogadischu einzunehmen, während sich die Union der Islamsichen Gerichte möglicherweise in Auflösung befindet. Sicher ist jedenfalls, dass sich die äthiopische Armee in Somalia einen Guerillakrieg gegenüber steht, der dem Irak kaum nachsteht.
Während dessen wird die Lage der Zivilgesellschaft, die aufgrund der jahrelangen Herrschaft von Warlords ohnehin angespannt war, durch die Kämpfe zwischen den verschiedenen Streitkräften im Grenzbereich zu Kenia ("Bomben, Flut und blutiges Fieber" - www.tagesschau.de) immer katastrophaler.
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