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Kulturen im Konflikt
Geopolitische Weltordnung
Geändertes geopolitisches Verständnis | Geändertes geopolitisches Verständnis - Einführung |
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| Geschrieben von Erich Sczepanski | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Es gibt nicht nur drei Welten sondern zur Jahrtausendwende vier Akteure: Als weiterer Anwärter ist Indien dabei, sich als Wirtschaftsmacht und zugleich auch als Atomwaffenstaat zu etablieren.
Dass es sich hierbei auch um wirtschaftlich bedeutsame Gruppierungen handelt kann nicht überraschen. Wirtschaftskraft ist die Voraussetzung für militärische Stärke. Und militärische Stärke ist letztendlich immer noch das Druckmittel, eigene politische Interessen offensiv zu vertreten (power projection) bzw. sich gegen solche Anmutungen zu wehren. Die zunehmende Bedeutung der "Schwellenländer" wird zum Einen am wirtschaftlichen Wert der Unternehmen, und zum anderen an der gesamten Wirtschaftsleistung dieser Länder deutlich. Nach einer Analyse der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young, die die Marktkapitalisierung der am höchsten bewerteten Unternehmen der Welt im Jahresvergleich (Stichtag jeweils der 31. Dezember) untersucht hat, haben unter den 100 wertvollsten Unternehmen der Welt chinesische Firmen ihren Marktwert im Jahr 2007 mit einem Zuwachs von 123 % mehr als verdoppelt, dagegen mussten die amerikanischen Firmen eine um 10 Prozent geringere Börsenbewertung hinnehmen. China stellt im Ländervergleich hinter den Vereinigten Staaten und Europa die meisten Unternehmen in der Liste. „Die Ergebnisse zeigen sehr deutlich den rasanten Bedeutungszuwachs der Schwellenländer - insbesondere Chinas - für die Weltwirtschaft“ wird ein Vorstandsmitglied von Ernst & Young in der FAZ zitiert. Und auch Europas Firmen gewinnen an Marktwert. Was sich für die Unternehmen sagen lässt - die USA (und Japan) als "Verlierer", China und Europa als "Gewinner" im internationalen Vergleich - lässt sich auch aus den gesamtwirtschaftlichen Daten für die gesamte Volkswirtschaften dieser Länder formulieren. Die USA hatten 2006 gut 27 % Anteil am Welt-BIP (2002 noch knapp 32 %), auch Japan musste seinen Anteil am Welt-BIP (2002 noch 12,0 %) bis 2006 auf 9,1 % reduzieren. Europas größte Staaten folgten 2006 zusammen mit 22,1 % (Deutschland mit 6,0, GB mit 4,9, Frankreich mit 4,6, Italien mit 3,8 und Spanien mit 2,5 %). China stand mit 5,5 % (nach 4,4 % in 2002) an vorderster Stelle, und auch Brasilien war mit 2,2 % ein Aufsteiger im globalen Wirschaftswettbewerb. Nach neuester Statistik der Weltbank - das neue Verfahren berücksichtigt seit 2008 die Kaufkraft wesentlich stärker als früher - soll China aber bereits im Jahr 2007 hinter den USA den Rang als zweitstärkste Volkswirtschaft der Welt eingenommen haben. Nach aktuellen Prognosen werden die USA, die EU, China und Indien zusammen genommen in den Jahren 2010 bis 2030 jeweils (zum Teil deutlich) mehr als die Hälfte der globalen Bevölkerung, des erwirtschafteten BIPs und der Exporte auf sich vereinen.
Quelle: Handelsblatt, 23.-25. März 2007, S. 8-9 Diese "Vier bis Fünf Großen" sind in vielen Punkten vergleichbar. Die USA und Russland sind die "klassischen militärischen Rivalen". China und die USA haben in etwa dieselbe Fläche, China hat aber die mehr als 4-fache Bevölkerung. In unserem EU-Einführungsdossier haben wir viele Vergleiche zwischen den USA und der EU gezogen. Indien wieder ist etwas kleiner als Europa, hat gleich viele Einzelstaaten (2007) aber zweimal soviel Menschen, und Indien und China sind die beiden asiatischen Rivalen, die sich auch in der Wirtschaftsentwicklung - bei etwa gleich großer Bevölkerung - ein Wettrennen liefern. Bemerkenswert dabei ist, dass die EU vor allem als "Exportweltmeister" prognostiziert wird - weit mehr als die USA und das prosperierende China, das im Jahr 2030 die USA deutlich überholen soll. Der vom Export getragenen Wirtschaft der EU muss also an stabilen und friedlichen internationalen Beziehungen gelegen sein - weit mehr als den USA, deren BIP nach der Handelsblatt-Prognose in wesentlich geringerem Maße von der Exportwirtschaft geprägt sein wird. Die EU ist also geradezu gezwungen, sich in geopolitischem Maßstab zu engagieren. Gerade chinesische Analysten - mit ihrem durchaus unterschiedlichen Denkansatz - sehen die EU "als einen der wichtigsten Akteure in einer sich multiploarisierenden Welt. .... In der Außenhandelspolitik sei die Integration am weitesten fortgeschritten; ökonomisch könne die EU daher auch durchaus bereits als Führungsmacht bezeichnet werden. Auch im entwicklungspolitischen Bereich gelinge es der Union, weitgehend geschlossen aufzutreten und innerhalb der internationalen Gemeinschaft einen wichtigen Beitrag zu leisten. Diplomatie und Verteidigung würden aber noch lange Zeit Sonderbereiche bleiben, bei denen die Mitgliedstaaten eine Kompetenzabgabe an Brüssel ablehnten." (zitiert aus "Eurasisches Magazin" - EM 09-07 · 30.09.2007). Nach chinesischer Überzeugung sind die Europäer auf dem Weg, zu einer in sich geordneten harmonischen Gesellschaft zu werden, deren Mitglieder die gemeinsamen Interessen über die Interessen der einzelnen Nationalstaaten stellen. Die USA würden dagegen jede Möglichkeit nützen, um die Harmonisierung der Europäer zu destabilisieren und damit die EU in ihrer Handlungsfähigkeit einzuschränken. Aus chinesischer Sicht haben die Europäer daher ein natürliches gesamteuropäisches Interesse, den Einfluss der USA in Europa zu reduzieren. Das heisst aber nicht, dass andere Staaten wie Russland und Brasilien oder Staatenbunde - wie etwa die Mercosur - Staaten als künftige "global players" unterschlagen werden dürfen.
Das Auftreten der "neuen, zunehmend global auftretenden Mitspieler" fordert nämlich zugleich zu einer weiteren Fragestellung aus: Gibt es weitere "potentielle Kandidaten", die in den erlauchten Kreis dieser Mächte hinzu stoßen könnten? f: Ausgehend von den genannten "Vier bis Fünf Großen" kommen hierzu wohl Staaten oder Staatenverbände in Frage, die
Atomwaffen sind - das mag verwundern - hier nicht aufgeführt. Letzendlich sind diese Waffen doch (wie die Erfahrungen des "Kalten Krieges" zeigen) die "ultimative Nichtangriffsversicherung". Nur wer selbst über glaubhafte atomare Abschreckung verfügt, ist letztendlich vor militärischen Bedrohungen eines Angreifers gefeit. Der Atomwaffensperrvertrag - löchrig wie ein Schweizer Käse - bietet aber immer noch einen halbwegs wirksamen Schutz vor der Weiterverbreitung atomarer Waffen, die in den Händen eines Ideologen oder gar eines Wahnsinnigen ja auch zur ultimativen Bedrohung werden können. Mit der Verbreitung dieser Waffensysteme würde die Wahrscheinlichkeit, dass es zu (auch irrtümlichen) nuklearen Auseinandersetzungen kommt immer mehr ansteigen. Insofern zeigt der Verzicht auf eigene Atomwaffen nicht unbedingt die Schwäche eines Staates auf, sondern es kann auch - im Gegenteil - ein Zeichen von Stärke sein, wenn auf diese Waffensysteme (freiwillig) verzichtet wird. Nach den vorgenannten Kriterien wird Indien und Brasilien das Potential zugesprochen werden müssen, als fünftes und sechstes Mitglied in den Kreis der "vier Akteuere" (USA, EU, Russland und China) aufgenommen zu werden. Brasilien und Indien werden heute übereinstimmend mit Russland und China zu den Staaten mit dem stärksten wirtschaftlichen Wachstumspotential gerechnet (siehe die Ausführungen zu den BRIC-Staaten auf der Folgeseite) - und politische wie militärische Stärke ist eine nahezu zwangsläufige Folge der Wirtschaftskraft eines Staates (siehe China oder auch Südkorea), so wie eine nachlassende Wirtschaftskraft auch mit schwindendem politischen Einfluss und einem Verlust militärischer Kraft einhergeht. Russland und Nordkorea sind dafür genauso Beispiele wie der global sinkende Stern der USA. Tatsächlich zeichnet sich nach dem Ende der Kolonialisierung und des "Kalten Krieges" eine zunehmend multipolare Welt ab. Die Bildung regionaler Machtzentren geht einher mit der Revitalisierung historischer Beziehungen - die auf gewachsenen Bindungen, insbesondere im Bereich der Sprache, der Religion und der regionalen Wirtschaftskontakte aufbauen. "Aus den Sprachen sind die Völker - nicht aus den Völkern die Sprachen entstanden" Die gemeinsame Sprache ist daher - noch vor der gemeinsamen Religion und Kultur - das wesentliche Element für die Bildung von Gemeinschaften und Nationen. Am Beispiel der Arabischen Staaten (250 bis 300 Mio. Menschen in einem zusammenhängenden Siedlungsgebiet vom Atlantik bis zum indischen Ozean) und der türkischsprachigen Staaten Eurasiens (mindestens 145 Mio. Menschen in einem relativ geschlossenen Siedlungsgebiet) - jeweils über zwei Kontinente verteilt - stellt sich daher auch die Frage, ob eine rein geographische Einteilung der Länder absolut richtig ist, oder ob es - gerade wenn es um das Verständnis einer zunehmend multipolaren Welt geht - nicht besser ist, diese Bündnisse und regionale und kulturelle Eigenheiten als Hintergrund einer Organisationseinteilung zu sehen. Ein Zusammenschluss der arabischen sowie der türkischsprachen Staaten - auf dem Weg über eine immer engere Kooperation ähnlich dem Vorbild der EU - könnte diesen Staatengruppen ebenfalls ein globales Gewicht geben. Das ist nicht ganz abwegig. Schließlich haben auch südamerikanische Länder ( Gerade bei den letztgenannten Staatengemeinschaften ist interessant festzustellen, dass sich die Bildung dieser Gruppen an Hand von ethnischen, d.h. vor allem von sprachlich-kulturellen Gemeinsamkeiten vollzieht.
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| Letztes Update ( Dienstag, 01 Juli 2008 ) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||