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Bantu-Afrika: Südafrika (South Africa) - Einführung E-Mail
Geschrieben von Erich Sczepanski   
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Einführung
Wirtschaft
Rüstungsindustrie und Streitkräfte
Flagge Südafrika

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"Südafrikas Wirtschaft boomt. Gut ausgebildete Jugendliche strömen auf den Arbeitsmarkt, auch die Fußball-WM wirkt sich bereits positiv aus. Einzig die miserable Infrastruktur bremst das Land."

 (Aus der FTD vom 05.02.2008)

 

Wirtschaft:
Das über Jahre andauernde UN-Embargo hat die Entwicklungsmöglichkeiten der südafrikanischen Wirtschaft einesteils extrem gehemmt. Andererseits konnte sich gerade im Schutz dieses Embargos auch eine eigene Industrie - insbesondere im Bereich des Rüstungswesens - entwickeln, die vor internationaler Konkurrenz geschützt war und doch zu den Spitzen der technologischen Entwicklung aufschließen konnte.

Trotz des Endes der Apartheid lebten zu Beginn des 21. Jahrhunderts immer noch Millionen Südafrikaner, hauptsächlich Schwarze, in Armut. Südafrika verfügt über reiche Bodenschätze wie Platin (88 Prozent der Weltproduktion), Gold (15 % der Weltproduktion), Diamanten (12 %), Kohle, Eisenerz. Südafrika besitzt ein gut entwickeltes Finanz- und Rechtssystem und eine gut ausgebaute Infrastruktur (Kommunikations-, Energie- und Transportwesen), ein angenehmes Klima und - das kann man nach Jahren der Apartheid sagen - einen Mix an europäisch, indisch, chinesisch und vor allem afrikanisch verwurzelter Bevölkerung, die aufgrund dieser Vielfalt oft als Regenbogennation bezeichnet wird, und die in der Lage ist, die besten Eigenschaften des jeweiligen Herkunftslandes in ein gemeinsames Miteinander einzubringen.

Leider hat gerade die Apartheidspolitik dazu geführt, dass vor allem die schwarze Bevölkerung von Bildung und Partiziation im Wirtschaftsleben weitgehend ausgeschlossen war. Dieser über Jahrzehnte aufgebaute "Ballast" ist heute noch belastend. So werden Schwarze auch nach dem Ende der Apartheid meist immer noch weitaus schlechter bezahlt als Weiße. Obwohl die letzten zehn Jahre vom Wachstum geprägt waren, liegt die Arbeitslosenquote bei etwa 30 % (Stand: Januar 2006), wobei vor allem die schwarze Bevölkerng in den "Townships" - abgelegenen und schlecht ausgestatteten Vorortsiedlungen - betroffen ist. Eine miserable Schulausstattung führt zu deutlich schlechteren Bildungschancen und damit zu einer deutlich schlechteren Möglichkeit, sich am Wirtschaftsleben zu beteiligen. Dementsprechend ist die Spanne zwischen armer und reicher Bevölkerung nach wie vor groß, während in den armen Stadtvierteln Trostlosigkeit, Hoffnungslosigkeit und Kriminalität um sich greifen. Hier entwickelt sich zusehends ein "Krieg der Armen gegen die Ärmsten". Hungerflüchtlinge aus Simbabwe (Zimbabwe) - drei Millionen Menschen sollen dies Anfang 2008 schon gewesen sein - verdingen sich für Dumpinglöhne (um rund 1/3 unter dem gesetzlich festgelegten Mindestlohn) um wenigstens ein geringes Einkommen zu erhalten. Südafrika hatte Anfang 2008 bis zu fünf Millionen Menschen aus afrikanischen Nachbarstaaten im Land, aber kaum eine angepasste Einwanderungspolitik. Die Bildung von Auffanglagern wird nach Presseberichten aus politischer Rücksichtnahme vermieden - denn dann müsste Südafrikas Regierung offen Kritik an Robert Mugabea aus Simbabwe üben, aus dessen Land drei von 5 hoffnungsvollen Imigranten kommen. Mit dieser Einwanderung sehen aber auch die arbeitslosen Jugendlichen ihre Chancen auf einen Arbeitsplatz unterlaufen. Fremdenfeindliche Ausschreitungen der eingesessen Südafrikaner haben so Anfang 2008 zu regelrechten Straßenschlachten in den Slums, etwa in Alexandra bei Johannesburg geführt.

Inzwischen geht es allerdings "langsam bergauf":  Die Wirtschaft wächst seit Jahren mit stabilen Raten, 2007 um gut fünf Prozent; so stark, dass sogar Energieengpässe eintraten. Im Januar 2008 mussten sogar Gold- und Platin-Minen mangels ausreichender Energieversorgung vorübergehend den Betrieb einstellen. Das staatliche Energieunternehmen Eskom Paulsen stellt seit April 2008 - bis auf Sonntags - jeden zweiten Tag die Energieversorgung für 2 bis 2 1/2 Stunden ein.

Trotzdem ist Südafrika nach wie vor "die Führungsmacht" im südlichen Afrika. Südafrika verbindet eine Währungsunion mit seinen Nachbarn Namibia, Lesotho und Swasiland. Überall dort ist der Rand offizielles Zahlungsmitteln.

Johannesburg - die Wirtschaftsmetropole im Landesinneren - hat sich zum Einfallstor für chinesische Händler, Restaurantbesitzer und Investoren entwickelt. Gut 100.000 Chinesen leben (Stand 2006) in Dragoncity, Asiacity, Ellis Park und Bruma, wie die "Chinatowns" der Stadt genannt werden. Chinesische Großhänderl haben Johannesburg zu einer Warendrehscheibe für chinesische Produkte wie Hausgeräte, Schuhe und Textilien entwickelt - zum zentralen Marktplatz für den Süden des Kontinents, der die Staaten vonBotswana, Mosambik, Namibia, Sambia, Simbabwe und Südafrika umfasst (Importvolumen aus China: 3,8 Mrd. $). Das chinesische Engagement ist aber nicht nur auf den Verkauf chinesischer Produkte oder - wie weiter nördlich - auf die Ausbeutung der Rohstoffe und die Errichtung der dafür erforderlichen Infrastruktur begrenzt. Im Oktober 2007 erwarb Chinas führende Staatsbank "Industrial and Commercial Bank of China" (OCBC) für knapp 3,9 Mrd. Euro eine 20%ige Beteiligung an der südafrikanischen Standard Bank Group. Chinas Staatsbank verschafft sich so einen Zugang zum südafrikanischen Finanzmarkt und das ermöglicht, die Investitionen und Transaktionen der chinesischen Geschäftsleute über einen örtlichen chinesischen Finanzrepräsentanten abzuwickeln.

 

Internationales Interesse: 
China möchte mit Südafrika zudem bei der Entwicklung von Atomreaktoren ("4. Generation") und der "Verdieselung" von Kohle (eine Entwicklung des südafrikanischen Energiekonzerns Sasol) kooperieren - und hat Interesse, intime Kenntnisse über den südafrikanischen Kampfhubschrauber "Rooivalk" zu erhalten.

Auch Russland - das in den letzten Jahren etwas "an Boden verloren" hat, bemüht sich zunehmend intensiver um einen Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen zu Südafrika (Quelle: www.rian.ru).

Südafrika wird aber auch für Europa immer wichtiger. Dabei gerät vor allem die Zuckerproduktion in den Focus der Wirtschaft. Nach der Übernahme des südafrikanischen Unternehmens "Illovo" durch British Sugar wird die Zuckerrohrproduktion in Südafrika massiv ausgeweitet. Das hat nicht nur die Ursache, dass ab 2009 Entwicklungsländer zollfrei Zucker an die EU verkaufen dürfen. Die Umwandlung von Zucker in Ethanol - nach dem Modell Brasiliens - stellt gerade für Entwicklungsländer eine hochinteressante Alternative zu den ständig steigenden Benzinpreisen dar. Der Weltmarktpreis für Zucker steigt inzwischen fast parallel zur Entwicklung der Ölpreise. Da ist der Anbau von Zuckerrohr - aus dem heute weltweit rund 80 % des Zuckers gewonnen werden - eine höchst lukrative Anlageform, auch, um nach dem Muster Brasiliens die eigene Abhängigkeit von Ölimporten zu verringern.

Ein weiteres Augenmerk Südafrikas liegt in der Erschließung der vor der Küste vermuteten Öl- und Gasvorkommen. Hierzu errichtet MAN Ferrostaal für 30 Mio. Euro die ersten Werften des Landes zur Montage und zur Reparatur von Öl- und Erdgas-Förderplattformen. An einem Hafen in Saldanha Bay, etwa 100 km nördlich von Kapstadt, der bisher vor allem der Verschiffung von Eisenerz aus der Kalahari Wüste diente, wird auf einem 220.000 qm großen Gelände eine Montagewerft errichtet. Damit steigt Südafrika in eine Produktion ein, die bisher vor allem in Asien, Europa und Amerika beherrscht wurde. Die Wartung der Anlagen soll über eine neue Wartungs- und Servicestation in Kapstadt erfolgen - wesentlich kostengünstiger als der bisher notwendige Schlepp nach den USA, Europa, dem persischen Gold (Dubai) oder Singapur. 

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Wirtschaft und Politik - Südafrika: www.defence-forum.net

Externe Links:
Botschaft der Republik Südafrika: www.suedafrika.org
KfW - Entwicklungsbank: www.kfw-entwicklungsbank.de
Financial Times Deutschland: Südafrika - Aufsteigernation mit Blackouts  

 



Letztes Update ( Freitag, 25 Juli 2008 )
 
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