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Kolonialismus - das Ende der Eigenständigkeit Mit der kolonialen Unterjochung war das Ende einer eigenständigen staatlichen Entwicklung in Westafrika erzwungen worden. Die Koloniale Oberherrschaft zerstörte das gewachsene politische Leben. Soweit die örtlichen Herrscher nicht im Rahmen der "indirect rule" zu Handlangern der Kolonialmächte degradiert wurden blieb ihnen nur eine mehr oder weniger symbolische Existenz, als geduldete Randfiguren der örtlichen Folklore, wichtig für "das Seelenleben" der beherrschten Völker, aber von jeder politischen Entscheidungsgewalt ausgeschlossen.&nbs p;
Nachkoloniale Entwicklung Mit der Unabhängigkeit von Großbritannien (1960) wurden die mit Gewalt zusammen gewürfelten unterschiedlichen Ethnien in ein abwechselnd von Militär- und Zivilregime geführtes Staatswesen geworfen, dem durch einen großen Ölboom während der 70er Jahre die Chance für wirtschaftliche Eigenständigkeit gegeben wurde.
Bereits von 1967 bis 1970 war Nigeria in eine erste - ethnisch wirtschaftliche - Zerreißprobe geraten. Biafra war eine 1967-1970 in der Ostregion Nigerias ausgerufene unabhängige Republik. Das Gebiet umfasste 76 355 km2, mit 12,4 Mio. Einwohnern. Im Biafra-Krieg rebellierten die überwiegend christlichen Igbo oder Ibo gegen den islamischen Norden und die Herrschaft der Haussa, nachdem es zuvor zu Progromen an den Ibo gekommen war. Auch hier waren (wie vielfach) ethnische Konflikte ein "Vehikel", um den eigentlichen Kriegsgrund - die Kontrolle der im Süden liegenden Erdölfelder - nicht allzu deutlich in Erscheinung treten zu lassen. Vorausgegangen war der Sezession am 15. 1. 1966 ein misslungener Staatsstreich jüngerer Offiziere gegen die von den Haussa dominierte Bundesregierung und die Regionalregierungen Nigerias. In den folgenden Monaten der Herrschaft des Generals J. Ironsi, der ein Ibo aus der Ostregion war, staute sich vor allem in Nordnigeria Hass gegen die Ibo an; er entlud sich nach Ironsis Ermordung (29. 7. 1966) in ibofeindlichen Pogromen, denen etwa 30 000 Menschen zum Opfer fielen; 1 Mio. Ibo flohen in die Ostregion, ihr Herkunftsland. Als die Zentralregierung Ende Mai 1967 Nigeria in zwölf Bundesstaaten aufgliederte und auf diese Weise das Erdölgebiet, das außerhalb des eigentlichen Igbo-Siedlungsgebietes lag, der administrativen Kontrolle der Igbo entwand, war der Kriegsanlaß gegeben. Die staatliche Unabhängigkeit Biafras war der Versuch der Igbo-Führungsschicht, ihren Machtverlust in Nigeria zu kompensieren und den alleinigen Zug riff auf die Erdölreserven zu gewinnen. Der Militärgouverneur der Ostregion, Oberstleutnant C. Ojukwu, isolierte die Ostregion vom übrigen Nigeria und versuchte, dem Land eine neue Verfassung (als lockerer Staatenbund) zu geben, erklärte dann aber die Unabhängigkeit Biafras. Nigeria griff Biafra jedoch militärisch an und eroberte Biafras Hauptstadt Enugu und 1968 die Hafenstadt Port Harcourt. Nur vier afrikanische Staaten (Tansania, Sambia, Côte d'Ivoire, Gabun) und Haiti erkannten Biafra diplomatisch an. Während Großbritannien und die Sowjetunion massive Militärhilfe an Nigeria leisteten, unterstützten Biafra nur Frankreich und private Gruppen aus vielen westlichen Ländern. Eine Luftbrücke zur Versorgung Biafras wurde nur unter großen technischen Schwierigkeiten von der portugiesischen Insel São Tomé aus aufrechterhalten. Katastrophaler Mangel an Nahrungsmitteln, Waffen und Versorgungsgütern führte 19 70 zum militärischen Zusammenbruch Biafras. Ojukwu floh ins Ausland, und Biafra musste am 15. 1. 1970 kapitulieren. Quelle: wissen.de Zwei Millionen Ibos sterben durch Hunger und Krieg. Das Entsetzen über diese mörderischen ethnischen Auseinandersetzungen war so groß, dass durch den Biafra-Krieg u.a. die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) - www.gfbv.de - entstand, und sich vor allem in Westeuropa ein neues Verständnis des "Völkerrechts" herausbildete, das weniger auf der Basis des "internationalen Staatenrechts" als vielmehr dem der Völker auch innerhalb nationaler Grenzen beruht. Huntington hat dieser "gefühlsmäßige" Differenz zwischen verschiedenen Völkern auch innerhalb eines Staates mit seiner These von den "kulturellen Bruchlinien" auch eine wissenschaftliche Begründung gegeben. Externe Links zum Biafra-Krieg: Delegation der Deutschen Wirtschaft für Westafrika: Der Krieg - (www.lagos-ahk.de) Uni Hamburg: 97 Nigeria (Biafra-Krieg) - (www.sozialwiss.uni-hamburg.de) English: Nigeria-Biafra Civil War - (http://emeagwali.com) Seit 1999 ist der größte Erdölexporteur Afrikas wieder eine - formale - Demokratie unter dem 2003 wieder gewählten Präsidenten Olusegun Obasanjo. Der derzeitige Staats- und Regierungschef Olusegun Obasanjo ist Yoruba, während der Zeit des Militärregimes war das Land von Haussa dominiert. Nigeria ist von ethnischen, religiösen und politische Trennungslinien durchzogen. Seit dem Ende des Militärregimes 1999 sind immer wieder gewalttätige Konflikte ausgebrochen. So wird das Land von den Kämpfen der unterschiedlichen Stämme und Völker nach wie vor zerrissen. Im Februar 2002 berichtete die NZZ von intensiven Kämpfen zwischen Yoruba und Haussa in Lagos mit Dutzenden von Toten und Tausenden von Flüchtenden. Heute zählt Nigeria zu den wichtigsten Staaten Afrikas. Nigeria finanziert maßgeblich die Afirkanische Union und stellt mit seinem aussenpolitischen Partner Südafrika eine Achse, die zunehmend die Entwicklung Afrikas bestimmt. Wenn es dem Land gelingt, seine ethnischen Gegensätze friedlich zu lösen steht ihm eine große Zukunft bevor.
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