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Afrikanische Königreiche im Süden Nigerias: Vor Ankunft der Briten waren im Südwesten Nigerias vor allem die Königreiche Benin und Oyo von großer Relevanz, ersteres wird nicht zu Unrecht in der Literatur auch als Imperium bezeichnet.
Benin - überwiegend im heutigen Nigeria gelegen - war vom 13. bis zum 19. Jahrhundert ein unabhängiges Königreich der Edo, dessen erste Anfänge - als "Ableger" von Ife bis ins 10. Jahrhundert zurückgehen Ab etwa 1500 entwickelte sich Stadt Benin zum Zentrum des portugiesischen Sklavenhandels, an dem sich auch die Yoruba-Staaten maßgeblich beteiligen. (In den nächsten 350 Jahren verkaufen die an der Küste lebenden Stämme den Europäern für ihre Kolonien in Amerika zwischen zehn und fünfzehn Millionen Sklaven aus dem Hinterland.)
Die Yoruba sind schon seit etwa einem Jahrtausend im Südwesten Nigerias im Bundesstaat Oyo, sowie in Benin und Togo ansässig. Das Volk umfasst über 20 Millionen Me nschen. Die Siedlungen der Yoruba beherbergten in den glanzvollen Zeiten ihrer kulturellen Blüte (14. Jahrhundert) bereits bis zu 100.000 Einwohner. Traditionell stand diesen Yorubastadten ein König, vor, der sich als sakraler Herrscher auf göttliche Abstammung berief Eine der ältesten Städte der Yoruba ist die Stadt Ife. Die Yoruba nehmen an, dass die Stadt der Geburtsplatz der Menschheit ist und betrachten Ife deshalb als heilige Stadt, in der sich der Sitz des geistlichen Oberhauptes der Yoruba (Oni) befindet. Archäologische Funde belegen, dass die Stadt bereits damals ein wichtiges Handelszentrum mit Metall verarbeitenden Industrien gewesen ist. Seit dem 13. Jh. sind herausragende Schnitz- und Bronzearbeiten belegt. Die Stadtstaaten bildeten Städteföderationen, unter denen vor allem Oyo und Ife im 11./12. Jahrhundert zu überregionaler Bedeutung aufstiegen. Im 17. Jahrhundert gründeten die Yoruba in der Region zwischen dem heutigen Benin und dem Fluss Niger das Königreich Oyo. Die Geschichte Oyos, das vor Beginn der Kolonialisierung bereits nach einem Angriff der islamischen Fulbe in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in viele rivalisierende Stadtstaaten zerfiel, ist für das heutige politische Selbstverständnis der Yoruba in Nigeria von großer Bedeutung. Die aus dem Südwesten stammenden Yoruba sind überwiegend christlichen Glaubens oder Animisten.
Im Südosten des heutigen Nigeria entstanden zeitgleich mit den Staaten der Yoruba die Königreiche der Ibibio und der Igbo (Ibo), in einer Gegend, die man Alaigbo nennt. Der Name Igbo steht sowohl für die Sprache sowie auch für die Menschen. Da die Europäer keinen Unterschied zwischen den beiden Lauten "gb" und "b" heraushören konnten, wurde der Name der Sprache nun "Ibo" geschrieben. Bevor die Briten eintrafen, gab es auf dem Gebiet Biafras zahlreiche kleine Staaten des Ibo-Volkes. Das I bo-Volk ist im 19. Jahrhundert überwiegend zu Christen missioniert worden. 1898 mußten sich die Ibo-Staaten dem Protektorat Großbrianniens unterwerfen.
Die Haussa sind ein großes Volk mit hamitischer Sprache im westlichen und mittleren Sudan, das im 16. und 17. Jahrh. große Reiche zwischen Niger und Tschadsee besaß und einst von Norden gekommen sein soll. Die H.staaten (s.d.) wurden durch die Fulbe (s.d.) zerstört. Allein bis heutzutage sind die H. als gewerbe- und handeltreibendes Volk im ganzen westlichen und mittleren Sudan, vom Senegal bis zum Schari und nach Süden zur Kamerunküste und bis an die Grenze des äquatorialen Urwaldes, ja sogar bis in diesen hinein verbreitet. Ihre Sprache ist die vorherrschende Handelssprache im ganzen mittleren Sudan geworden. Die Staaten der Haussa (s.d.) lagen im Gebiete zwischen dem Niger und dem Tschadsee. Die Zeit ihrer Entstehung ist unbekannt, doch nimmt Barth an, daß sie jüngeren Urs prungs seien. Sie teilten sich in die "sieben Haussa", das sind die sieben echten H. und die "nichtigen Sieben" oder die sieben unechten H. Erstere waren Biram, Dauro, Gober, Kano, Rano, Katsena und Segseg. Die letzteren, in denen die Haussasprache zu großer Ausdehnung gekommen ist, sind die Landschaften Sangara, Kebbi, Nupe, Guari, Jariba, Jauri und Kororofa. Die im Norden dominierenden Haussa sind zumeist muslimischen Glaubens.
Um die Mitte des 16. Jahrhunderts wanderten die Fulbe, ein nomadisches Hirtenvolk, langsam aus der Futa-Toro-Region im Senegal nach Osten und bekehrten dort viele Menschen zum Islam. Die Fulbe - ein im gesamten westafrikanischen Gebiet zwischen Mauretanien, Guinea und dem Tschad und Kamerun zu findendes Nomadenvolk, deren Sprache (Fulbe) sich zu einer "Interlingua" in Westafrika entwickelte - beherrschten selbst mehrere Staaten im Ghana und dem Senegal. Die Fulbe, die im Laufe der Jahrhunderte vom Senegal bis zum Benue gewandert waren , wurden ursprünglich von den Haussa unterdrückt. Die Fulani (Ful, Fulbe) wurden vor allem am Anfang des 18. Jahrhunderts zu Verfechtern einer radikalen Islamisierung. Im Jahre 1802 erhoben sie sich unter dem Wanderprediger Othman dan Fodio - einem muslimischem Gelehrten - und überrannten leicht die H., die in der Zeit zerrüttet und schwach geworden waren. Auf dem Boden der H. gründeten dann die Fulbe das Reich Sokoto. Die Fulbe besiegten zwischen 1804 und 1810 die Haussa-Staaten und bildeten neue Herrscherhäuser. Sie beherrschten um 1830 ein Reich, das sich über die gesamte Nordhälfte des heutigen Nigeria und den größten Teil Nordkameruns erstreckte und von Sokoto (Kalifat von Sokoto) aus verwaltet wurde.
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