Lateinamerika - Chile

Veröffentlicht: Mittwoch, 27. September 2006 Geschrieben von Erich Sczepanski

Wirtschaftswachstum: 1990 - 1997:  7,5 % jährlich; 2009: 2,5 % (Prognose)

 

 

Chile erstreckt sich im Südwesten des lateinamerikansichen Kontinents, von den Küstenwüsten im Norden an der Grenze zu Peru bis zu den Gletschern Patagoniens erlauben die Kordillieren der chilenischen Bevölkerung, fast alle Klimazonen bereisen zu können, ohne das Land verlassen zu müssen. Weit im Westen bildet die polynesische Osterinsel mit ihrer einzigartigen  indigenen Kultur  einen Vorposten im  Pazifik.

Geschichte: 
Das Kerngebiet Chiles ist seit Jahrtausenden besiedelt und war zuletzt Teil des Inkareiches, das fast den gesamten Andenbogen Südamerikas umfasste. Im Zuge der Zerschlagung und Ausplünderung dieses Reiches wurde auch Chile von spanischen Kolonialherren, den Konquistadoren, besiedelt und über drei Jahrhunderte - bis ins frühe 19. Jhdt. - als spansiche Kolonie von Europa aus beherrscht.  Die Salpetergewinnung war der Grundstock für die wirtschaftliche Existenz des Landes, aber auch für kriegerische Auseinandersetzungen mit Bolivien und Peru (1879 - 1883), in dessen Folge Bolivien seinen Zugang zum Meer verlor. Grenzstreitigkeiten mit Argentinien (ab 1893) konnten erst durch Vermittlung aus Europa beendet werden. Seither gilt das Verhältnis Chiles zu den Nachbarn Argentienien und Bolivien bisweilen als gespannt.

Als mit US-Unterstützung im Septemebr 1973 der gewählte, sozialistische Präsident Allende durch einen Militärputsch unter General Pinochet abgelost wurde begann eine 17-jährige brutale Diktatur, die erst seit 1990 schrittweise wieder in eine Demokratie gewandelt wird.  Die historische Aufarbeitung zieht sich noch heute hin - auch innerhalb Chiles ist di Aera Pinochet höchst umstritten: von einem brutalen Diktator, der Freiheit und Gerechtigkeit bekäpmft ist genauso die Rede wie von einem Retter vor Anarchie und Kommunismus. Erst  im Januar 2005 gelang es durch eine Verfassungsreform, Vorrechte der Militärs aus der Zeit der Diktatur zu beseitigen und endgültig dne Weg in die Demokratie zu öffnen.

Seit Januar 2006 regiert - wieder - eine linke Politikerin das Land, die Präsidentin Michelle Bachelet vom Mitte-Links-Bündnis, das der Sozialdemokratie zugerechnet wird.

Wirtschaft:
Chile hat eine in hohem Maße marktwirtschaftliche, nach außen offene Wirtschaftsstruktur. Während der Militärherrschaft in den siebziger Jahren wurde mit großem Nachdruck der Wandel von einem staatsinduziertem Entwicklungsmodell hin zu einer privatwirtschaftlich und wettbewerbsorientierten Wirtschaftsordnung verfolgt. Auch nach Ende der Militärherrschaft haben die demokratischen Regierungen Chile dieses Entwicklungsmodell im Kern nicht angetastet.

Chile konnte inzwischen erfolgreich an seine Gründungswirtschaft als Rohstoffexporteuer anküpfen. Allerdings: nicht mehr Salpeter, sondern Kupfer ist inzwischen das Hauptexportgut des Landes (2004: 45 %). Dank der explodierenden Kupferpreise hat Chile erstmals 2004 mehr als 30 Mrd. $ Exporterlöse erwirtschaftet. Chile verfügt zudem mit seinen Holzprodukten (z. B. Zellulose), Fisch (Hochseefisch und Lachszucht), Wein sowie Obst und Gemüse über ein breit gefächertes Angebot an Nischenprodukten, das sich erfolgreich im weltweiten Markt behaupten kann. So hat Chile im Jahre 2004 (mit einem Weltmarktanteil von 35%) Norwegen als größten Exporteur von Zuchtlachs abgelöst. Lachs ist inzwischen das zweitwichtigste Exportgut des Landes - nach Kupfer - geworden.

Die Mitarbeiter in den Produktionsanlagen - bekannt wurden im Sommer 2006 kräftige Streiks im Kupferabbau - profitieren von diesen wirtschaftlichen Erfolgen. Die Reallöhne steigen bei moderater Inflation, die Lebensverhältnisse der meisten Chilenen verbessern sich.Dennoch kann Chile mit seinen nicht einmal 20 Mio. Einwohnern kaum eine wirksame "Binnennachfrage" aufbauen. Chile hat daher mit knapp zehn Staaten bilaterale Freihandelsabkommen abgeschlossen. 

Chiles Staatshaushalt ist dank der stark gestiegenden Rohstoffpreise (Kupfer) und einer moderaten Ausgabenpolitik ausgeglichen. Etwa 20 Mrd. $ aus den Kupfererlösen konnten in einen eigenen "Stabilisierungsfonds" eingebracht werden. Für die Bildung - u.a. für Stipendien im Ausland - wurden Rücklagen in Höhe von 6 Mrd. $ in einen "Bildungsfonds" angelegt. 2008 wurde dennoch ein Haushaltsüberschuss von 6 % des BIP erwirtschaftet. Die Staatsverschuldung beträgt lediglich 4,4 % des BIP.

Chile schließt sich inzwischen eng an die südamerikanischen Nachbarländer an und ist assoziiertes Mitglied des MERCOSUR.


Externe Links:
Chile - (www.auswaertiges-amt.de)
Deutsche Botschaft - (www.santiago.diplo.de)

Wirtschaftswoche: Chiles Politik zahlt sich aus (www.wiwo.de)