China Volksrepublik Teil 1

Veröffentlicht: Dienstag, 16. Dezember 2008 Geschrieben von Erich Sczepanski



 

China - Supermacht im Wartestand?

"Weltmacht des „Asiatischen Jahrhunderts“

Es wird eine Verschiebung des wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Epizentrums von Europa und Amerika nach Asien geben. Die unilateralen Zeiten für die USA sind vorbei. China wird in Kürze eine ebenbürtige Weltmacht sein. Ob Washington dies akzeptiert, ist die Schlüsselfrage des 21. Jahrhunderts. Bleiben die USA lernunfähig, ist der Weltfrieden in Gefahr."

 

Zitat: Eurasisches Magazin 07/08 - 2007, Interview mit dem Wirtschaftsjuristen Dr. Karl H. Pilny

Bevölkerung: 1,3 Milliarden, davon ca. 900 Mio. Bauern
Staatsvolk: Han-Chinesen und diverse Minderheiten
Landesfläche: 9.572.909,00 km² (Weltrang 4), davon 15% Wald und Buschland, 10% Ackerland, 30% Wiesen und Weiden (zum Vergleich: USA 9.809.155 km²)
Ausdehnung: W-O 4500 km, N-S 4200 km
Landesgrenzen: 22 146 60 km (Afghanistan 76 km, Bhutan 470 km, Burma 2 185 km, India 3 380 km, Kasachstan 1 533 km, Nordkorea 1 416 km, Kirgistan 858 km, Laos 423 km, Mongolei 4 676 km, Nepal 1 236 km, Pakistan 523 km, Russland 3 645 km, Tadschikistan 414 km, Vietnam 1 281 km)
Küste: 14 500 km
Hauptstadt: Peking (Bejing)

Bruttoinlandsprodukt (BIP): 2006 > 20 Billionen Yuan (1,9 Billionen Euro)
BIP pro Kopf: 1.100 US-$ (2002) 2.010 US-$ (2006)
BIP Wachstum 1999 - 2003: 7,9 Prozent
BIP Wachstum 2004 - 2007: > 10 Prozent
BIP Wachstum 2007: 11,9 %
BIP Wachstum 2008: 10,7 % (Prognose)

BIP Wachstum 2011: 9,3 %
BIP Wachstum 2012: 7.8 %
BIP Wachstum 2013: 7,7 % (Arbeitslosenquote: 4,1 %)

Inflationsrate: 1995: 17,1 %; 1996: 8,3 %; 1997: 2,8 %; 1998 bis 2003: um 0 %; 2004: 3,9%

Exportwachstum 1999 - 2003: 18,6 Prozent
Fremdwährungsreserven (2003): 470 Milliarden Dollar;
Nov. 2006: 1 Billion Dollar (ca. 60 % US-$ , ca. 30 % €)
Juni 2007: 1,2 Billionen Dollar;
Juli 2007: 1,4 Bio. $;
März 2008: 1,68 Billionen US-Dollar;
Oktober 2010: 2,65 Billionen US-Dollar


Haushaltsdefizit 2003: 2,3 Prozent
Staatsverschuldung: 12,2 Prozent des BIP
Mobilfunkteilnehmer: > 460 Millionen (2007)
Internetzugang: 1997: 620.000, 2003: 80.000.000 und stark zunehmend (Zuwachs 2000 - 2005: > 390 %); 2007 (Juli): 162 Millionen;
(im Olympiajahr 2008 benutzten 17 % der Bevölkerung das Internet - und 17 % der Bevölkerung lebten von einem Dollar Tageseinkommen)

Militärhaushalt 2005: (offiziell) 247 Milliarden Yuan (heute 22,7 Milliarden Euro) + 12,5 %
Militärhaushalt 2004: offiziell ca. 20 Milliarden Euro
US-Experten schätzen den tatsächlichen Militärhaushalt auf die doppelte Größe

Energieversorgung:
Atomkraftwerke im Bestand 11 Reaktoren, 8.700 MW; davon 2 in 2005 fertig gestellt
geplant:
5 Reaktoren (3 in der östlichen Provinz Shandong, 1 in der nordöstlichen Provinz Jilin und 1 in der nordöstlichen Provinz Liaoning nahe Dalian) in Bau
bis 2020 ca. 30-35 neue Reaktoren mit rund 30.000 MW und Kauf eines "Schnellen Brüters" aus Deutschland (Kalkar) beabsichtigt.


EINFÜHRUNG:
Kaum ein Staat dieser Erde hat einen so rasanten Wandel hinter sich gebracht wie China. Kaum ein Staat wirkt zugleich so geheimnisvoll und fremd, so bedrohlich und zugleich antiquiert, so fremdartig und doch irgendwie vertraut, Wolkenkratzer und Wüsten, Yak – Herden und Reiternomaden – China, Reich der Mitte, regionaler Machtfaktor, Atomwaffenbesitzer, Weltraumprogramm, überquellende boomende Millionenstädte im Osten – Supermacht im Wartestand?
China ist ein Land, ach was, ein Kontinent der Gegensätze. Von den nördlichen Grenzen der Mandschurei, vom Amur an der Grenze zu Sibirien bis zu Korallenatollen im südchinesischen Meer, von Wüstenoasen bis zur Pazifikküste, von den Hochebenen und Gebirgen Tibets bis kurz vor Wladiwostok reicht der Machtbereich der Pekinger Regierung.
Machtbereich? Vieles spielt sich weit weg von Peking ab; solche großen Entfernungen führen zu lokalen Traditionen und Eigenständigkeiten. Das von etwa 1 Milliarde Menschen als „Muttersprache“ gesprochene Chinesisch etwa umfasst 7 Hauptsprachen und eine Vielzahl von Dialekten, die ebenfalls bereits als eigenständige Sprachen bezeichnet werden müssten. Die größte dieser Sprachgruppen ist das „Mandarin-Chinesisch“, das sich auch als „Hochsprache“ in ganz China durchgesetzt hat.
Ein "Kanton-Chinese" wird von einem Mandarin sprechenden Nordchinesen nicht verstanden. Sprachen / Copyright: Westermann

Einheitlich ist lediglich die „Schriftsprache“, eine in ganz Ostasien verbreitete Bilder- und Symbolschrift, die keine Lautsprache wiedergibt und daher auch über Sprachgrenzen hinweg überall geschrieben und gelesen werden kann.

Zu diesen – im eigentlichen Sinn chinesischen – Sprachen des Staatsvolkes der Han kommen viele Minderheitenvölker, vom Süden Chinas über Tibet, Sinkiang und die Mongolei bis hin zur (seit dem zweiten Weltkrieg sinisierten) Mandschurei, die vor allem in den Randbereichen des Riesenstaates eigenständige Kulturen bilden.

Der Gang der vieltausendjährigen chinesischen Geschichte lässt sich in wenigen Sätzen zusammenfassen:

1. Die Träger der chinesischen Kultur - beginnend am ursprünglichen Zentrum am Unterlauf des Gelben Flusses - waren Ackerbauern, deren Expansion sich über alle erreichbaren Gebiete erstreckte, in denen Ackerbau möglich war.
So vollzog sich die Ausdehnung des chinesischen Reiches nach Norden und Westen bis zum Rande der Steppe und des tibetanischen Hochgebirges, er endete dort, wo mangelnde Niederschläge den Ackerbau verhinderten. Ackerbauer sind defensiv eingestellt. Es geht ihnen nicht um die Eroberung eines Reiches, sondern um die Bewahrung der Scholle als Lebensgrundlage. Die Völker außerhalb dieses landwirtschaftlich genutzten Bereiches waren und blieben Barbaren. Nomadisierende Hirten, die nicht zur Kultur des Ackerbaues fähig waren. Sinnbildlich spiegelt sich diese Einstellung in der "chinesischen Mauer" wieder. Eine Mauer stellt psychologisch eine Verteidigungslinie dar. Es wird gegenüber allen Bewohnern demonstriert: bis hierher reicht unsere Macht. Wir gehen nicht weiter - aber ab hier beginnt unsere Verteidigung. Bis zu dieser Grenzmarkierung erstreckte sich das Reich des Ackerbaues. Militärisch offensiv zeigte sich das chinesische Reich in der Vergangenheit immer nur, wenn die Barbaren den "Drachenthron" bestiegen hatten. So fand unter der mongolischen Herrschaft (im Westen durch Marco Polo genauso idealisiert wie durch die Namen Dschings Khans oder Tamlerans mit Schrecken behaftet) eine militärische Expansion nach Süden wie auch der - vergebliche - Versuch einer Invasion Japans mit einer riesigen Dschunkenflotte statt.
In südlicher Richtung ergab sich keine "natürliche Expansionsgrenze", und so ist es in der gesamten Geschichte Chinas zu einer nie endenden Expansion nach Süden gekommen. Die chinesischen Bauern überschwemmten die Ebenen, die Täler, und die Urbevölkerung wurde entweder assimiliert, in unwirtliche Gegenden auf Berge und Hügel oder - wie das Volk der Viet oder der Thai - weiter nach Süden verdrängt. Hier liegen die historischen Wurzeln einer Urangst südostasiatischer Völker wie der Vietnamesen vor einem starken China.

2. Ein zweiter Wesenszug der Geschichte ist das Streben nach politischer Einigung dieser gemeinsamen, auf der Landwirtschaft beruhenden chinesischen Kultur. Die über Jahrtausende hin kontinuierliche Geschichte des chinesischen Reiches und die damit verbundene Ausdehnung führte einerseits zu einer Dezentralisierung in geographisch gesonderte Gebiete, zur Entwicklung eigener separater Sprachen und einer Vielzahl von Dialekten aus dem "Han-Chinesischen", und dennoch ist es den Chinesen gelungen - über alle Grenzen hinweg - ein einheitliches "Volksbewusstsein" zu erhalten. Chinesisch - das ist die Zugehörigkeit zum Volk der Han, das ist vor allem die einheitliche Schrift, die keine Lautsprache sondern eine fast seit Urzeiten unveränderte Bilderschrift darstellt. Diese Schrift ist das "einigende Kontinuum" bei allen dynamischen Entwicklungen, der vor allem die Sprache unterworfen war. Auf europäische Verhältnisse umgewandelt würde es bedeuten, dass sich etwa die angehörigen aller romanischen Sprachen - von Portugal über Spanien, Frankreich und Italien bis nach Rumänien - auch heute noch als "Römer" verstehen würden, und - das ist der Unterschied zum Verständnis Chinas - auch heute noch jede Regierung danach trachten würde, dieses eine Reich zu einen. Chinesisch sein heisst, einem einheitlichen Kulturvolk anzugehören - geeint durch eine sehr spezielle Ausprägung von Buddhismus und Ahnenkult, durch ein Berufsbeamtentum (Konfutseanismus), die seit Jahrtausenden eine chronologische Geschichtsschreibung des chinesischen Reiches fortführt. Die "Intellektuellen" der chinesischen Geschichte sind keine Philosophen im westlichen Sinne, wie dies etwa seit Sokrates im Abendland idealisiert wird. Im Vordergrund der Chinesen steht die menschliche Gesellschaft und die Problematik des Zusammenlebens, die "ideale Ordnung" in der Ebene des menschlichen Geschehens, das zu einem Idealbild der menschlichen Gesellschaft entwickelt wurde - ohne Demokratie, sondern in einem harmonischen Kosmos zwischen Bauern, Adel, dem Kaiserhaus und dem "Himmel". Menschliches Verhalten kann nach dieser Denkweise entscheidend auf das Naturgeschehen einwirken. Dieser Denkweise entspricht, dass Bauern und Regenten um ein harmonisches Miteinander bemüht sein müssen. Die Aufgabe der Herrscher ist, den Wohlstand der Bevölkerung zu sichern.
Chinas Geschichte spiegelt die Dynamik zwischen auseinanderstrebenden Provinzen (bis hin zu den "war lords" der jüngsten Geschichte) und einer mehr oder weniger starken Zentralmacht wieder, deren Bemühung auf Harmonie und die Einheit des Reiches gerichtet ist. Solange es der Zentralregierung gelang, den Wohlstand des Volkes zu sichern, befand sich die herrschende Dynastie unter dem "Mandat des Himmels". Naturkatastrophen, Hungersnöte, Eroberungen durch die Barbaren - das war ein Zeichen, dass die Dynastie dieses "Mandat des Himmels" verloren hatte, und Hungerrevolten (heute als Revolutionen ideologisch verbrämt) wie auch die Verselbständigung einzelner Provinzen führten dazu, dass eine zunehmend schwächere Zentralregierung durch eine neue Dynastie abgelöst wurde - wobei das Hauptaugenmerk der Nachfolgerdynastie wieder darauf gerichtet war, die Einheit des Reiches unter der eigenen Führung wieder herzustellen.
Dies ist der historische Hintergrund des Streites zwischen der Republik China auf Taiwan und der Volksrepublik auf dem Festland. Beide Staaten sehen sich als die legitimen Vertreter des gemeinsamen Chinas - und beide chinesische Staaten wissen, dass eine Verselbständigung der chinesischen Geschichte entsprechend dazu führen würde, dass eine gewaltsame Wiedervereinigung sehr wahrscheinlich werden würde.

3. Ein dritter Wesenszug sei hier kurz angeschnitten: die auf Konfuzius beruhende, jahrtausende alte chinesische Staatsbürokratie mit ihrem Streben nach Harmonie, die mit der Revolution 1911 einem Scherbenhaufen, Chaos und Anarchie Platz machte. Die chinesische Lern- und Lehrmethode - überspitzt in den Prüfungen des kaiserlichen Beamtentums bis in die Neuzeit vorhanden - geht nicht vom selbständigen Forschen aus, sondern (man nehme sich nur die Unzahl der Schriftzeichen vor) vom mechanischen "Auswenig lernen" eines unendlichen Wissens. Dieses Wissen zu kopieren und beharrlich anzuwenden verschafft Ordnung und Sicherheit. Die Kopie einer guten Leistung ist höchste Anerkennung, das individuelle Schöpfungswerk tritt demgegenüber zurück, individuelle Leistung zerstört die Harmonie, die sich in den typischen chinesischen Hof- und Familienhäusern in den alten Stadtvierteln (Hutongs - chinesisch "Sihe Yuan" = Vier-Harmonien-Hof) auch städtebaulich niedergeschlagen hat.
Für Konfuzius ist die harmonische Beziehung zwischen Menschen die Grundlage der Gesellschaft. Diese beruht wieder auf der Grundlage der Harmonie in der Familie und der "Einheit" (Danwei), einer strukturellen Ebene der Clans in der vormaoistischen Gesellschaft. Die chinesischen Sprachenkennen kein Wort für "Individualismus". Der Begriff, der dem am nächsten kommt, muss mit "Egoismus" übersetzt werden. Auch das völlig andere "Vertragsverständnis" rührt von diesem Hintergrund. Ein Vertrag besiegelt lediglich, dass beide seiten kooperativ zusammen arbeiten wollen, und harmonisch gemeinsam arbeiten wollen, um dasvereinbarte Ziel zu erreichen. Verträge könnten daher auch mit einem "memorandum of understanding" vergleichen werden. Es wäre unsozial, dem Vertragspartner das Festhalten an einer Vereinbarung aufzuzwingen, wenn dieser aus unvorhergesehenen Gründen eine Vertragsänderung benötigt. Das auf dem römischen Rechtssatz "pacta sunt servanda" resultierende Vertragsverständnis des Westens, das den Vertrag und seine Erfüllung über den Bedürfnissen des Vertragspartners stellt, ist dem chinesischen Gedankenkreis zunächst fremd. Es erscheint unsozial. Nicht der (abstrakte) Vertrag, sondern die persönliche Beziehungs- und Vertrauensbasis ist in China die Grundlage für wirtschaftliches Handeln. Diese Vertrauensbasis besteht zunächst innerhalb der eigenen Familie, dem eigenen Clan, der Provinz und dann auch innerhalb der eigenen Ethnie. Auf dieser Basis haben sich die Familienunternehmen Chinas gebildet, die große Teil der Wirtschaft z.B. in SO-Asien beherrschen. Dieses "Modell" ist nicht uneffektiv.

4. Zurück zur alten Stärke: Chinas Geschichte ist von Zyklen geprägt - nach Zeiten des Aufschwungs gab es immer wieder Phasen der Erschöpfung, der Wiren und des Zerfalls - bis das Reich unter neuen, starken Dynastien wieder geeinigt wurde. Wir erleben gerade das Ende einer solchen Unruhephase. Noch bis zum 18. Jahrhundert war der asatische Raum - insbesondere China - das Zentrum der weltweiten Güterproduktion. Erst die Schwäche der durch Palastintrigen gelähmten Quing-(Mandschu-)Dynastie führte dazu, dass die militärisch überlegenen europäischen Kolonialstaaten das chinesische Reich unter sich "aufteilen" konnten (Opiumkriege). Die Europäer profitierten dabei auch von inneren Aufständen, etwa dem Taiping-Aufstand (1850-1863) im südlichen China und dem Gebiet der britischen Einflusssphäre, den islamischen Aufständen (1855 - 1873) in Ostturkestan und im Westen der inneren Mongolei (russische Einflusssphäre) sowie dem Boderaufstand (1900 - 1901), der Deutschland die Gelegenheit gab, seine Kolonialbasis Tsingtau zu verstärken. Am Ende hatte China nicht nur Einflusssphären und Kolonialgebeite der Russen, Deutschen, Briten und Franzosen (nördlich von Indochina) zu dulden, sondern Russlands Zaren hatten in Zentralasian, der Mongolei und bis zum Amur-Gebiet und der Insel Sachalin erhebliche Gebietsgewinne zu Lasten Chinas zu verzeichnen ("ungleiche Verträge"). Auch Tibet wurde seinerzeit unter britischem Militärschutz aus dem chinesischen Staatsgebiet herausgetrennt, allerdings ohne dass dies jemals durch völkerrechtlich verbindliche Verträge abgesichert worden wäre.

Mit dem Sturz der 2000 jährigen chinesischen Staatsaristorkratie und dem Kaisertum stürzte das Land für eine Generation bis zur "Kulturrevolution" in Chaos, Bürgerkrieg, Anarchie mit rivalisierenden regionalen Militärdiktaturen, Gangsterbanden, Parteien und einer japanischen Invasion, die den Krieg der "fremden Langnasen" auf Zentral-China ausdehnte. Erst mit der Etablierung der kommunistischen Macht unter Mao gelang es einer Zentralregierung, die "Kriegsherren" und fremde Besatzungstruppen aus dem verbliebenen Staatsgebiet zurückzudrängen - größtenteils, denn auf Taiwan (Formosa) behauptete sich die von den Kommunisten unabhängie "Republik China" unter der vom Festland geflüchteten Kuomintang, und mit Macao und Hongkong blieben zwei Kolonialstädte noch für Jahrzehnte erhalten. Damit war der Terror auf dem Festland aber noch nicht beendet. Von Mao angezettelte Kampagnen, die auch in China (und nicht nur in Tibet) Millionen von Todesopfern forderten, erschütterten das Land. Maos "Steinzeitkommnismus" stand im Terror brutalen Diktatoren Afrikas nicht nach.

Es gibt kaum eine Familie, die nicht von diesen Wirren erfasst wurde, kaum eine Familie, die nicht unter diesem entfesselten Chaos leiden musste. Selbst höchste Parteikader, ja gerade auch die intellektuelle Elite des Landes wurde von dieser Anarchie erfasst. Umso höher ist nun in breiten Bevölkerungsschichten das Streben nach Ordnung. Erst langsam bildet sich eine kulturell eigenständige "Mittelschicht" heraus, in der sich das Bewusstsein von "Individuum" und "Persönlichkeit", von "persönlichen Menschenrechten" bildet.