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Mit
immer schnelleren Auslieferungszahlen hat sich der brasilianische
Flugzeughersteller im Regionalflugzeugmarkt etabliert.
Die ERJ-Familie mit den drei Mustern ERJ 135, ERJ 140 und !RJ 145 (zwischen 37
und 50 Sitzen) ist die Grundlage für den Aufschwung des Unternehmes, das sich
vom "Underdog der Luftfahrtszene" (FLUGREVUE, 04/2005) zu einem der ersten
Flugzeughersteller entwickelt hat und auf dem Weg ist, sich nach AIRBUS und
BOEING zum drittgrößten Flugzeughersteller der Welt (Welt am Sonntag,
23.10.2005) zu entwicheln.
Der brasilianische Produzent, der mit die Lizenzfertigung oder gemeinsamen
Entwicklung von kleinen Militärjets (EMB-326 Xavante und AMX-T) für die
nationalen Luftstreitkräfte, die FORCA AERA BRASILEIRA, bekannt wurde, hatte
sich bereits seit Mitte der 70er Jahre mit vielseitig nutzbaren Turboprops wie
dem 19sitzer EMB-110 Bandeirante und dann mit der 30-sitzigen EMB-120 Brasilia
auf dem Regionalflugzeugmarkt etabliert.
Den entscheidenden Schritt zur Weiterentwicklung machte Embraer im Jahre
1989/90: nach ständigen Klagen kleinerer Fluggesellschaften, man könne nur
umgebaute Geschäftsreiseflieger erwerben schuf Embraer eine Reihe von
Regionalflugzeugen mit 37 bis 50 Sitzen (ERJ 135, ERJ 140 und ERJ 145) und den
großen Verkehrsflugzeugen vergleichbarem Komfort. Nicht ohne Widerstände:
aufgrund der fehlenden Mittel wurde aus der Brasilia mit geänderten Tragflächen
und gestrecktem Rumpf die EMB-145 (Erstflug am 11. August 1995) entwickelt.
Dabei stand Embraer 1995 kurz vor der Pleite. Das einsmalige Staatsunternehmen
war nach 25 Jahren frisch privatisiert und hatte in der Jahresbilanz einen
Verlust von mehr als 300 Mio. $ zu verkraften. Der einzige Hoffnungsschimmer war
das 50sitzige Modell des Regionalflugzeuges ERJ-145. Die fehlenden Mitteil
hätten fast die Weiterentwicklung des Flugzeuges verhindert. Nachdem aber mit
der spanischen Gamesa ein Partner gefunden worden war, konnte (in nur 16 Monaten
nach dem Erstflug) die erste Auslieferung (Dezember 1996) des neu entwickelten
Regionaljets erfolgen.
Bereits 1998 wurde an die polnische Fluggesellschaft LOT die 100ste "Ipanema"
ausgeliefert, jeweils in Jahresschritten erfolgten die nächsten "Hundert
Auslieferungen", aber schon 2001 konnte mit der 400sten und der 500sten Maschine
ein "Doppelhunderter" gefeiert werden. Die 600ste Maschine (2002 - SWISS), die
700ste (2003 - ALITALIA), doe 800ste (2004 - DELTA) und die 900ste (LUXAIR)
folgten mit gleichbleibend starker Auslastung.
Diese Flugzeugreihe wurde von Embraer aber auch weiter entwickelt - so ist das
Geschäftsreiseflugzeug Legacy (als Legacy Shuttel für 16 bis 37 Passagiere) oder
als Legacy Executive mit Business-Jet-Ausstattung ein "Abkömmling" der ERJ 135.
Drei Jahre nach der Privatisierung und gerade erst finanziell genesen erfolgte
der Programmstart für die nächste Generation der 70- bis 110sitzer. Mit dem
Erstflug der Embraer 170 Ende 2001 und der Embraer 195 am 7. Dezember 2003 wurde
nun das Tor für eine weitere, erfolgreiche Flugzeureihe aufgestoßen. Die von
Embraer als "E-Jets" bezeichnete Flugzeugfamilie Embraer 170 (70 bis 78
Passagiere, seit März 2004 zugelassen), 175 (75 bis 86 Passagiere, Erstzulassung
der brasilianischen CTA und der europ. EASA im Dez. 2004), 190 (100 bis 108
Passagiere) und 195 (110 bis 118 Passagiere) soll an den Erfolg der "Ipanema"
anknüpfen. Die Flugzeuge sollen ein Marktsegment abdecken, das zwischen den
typischen Regionalfluggesellschaften und den großen Netzwerkbetreibern liegt -
und das von Branchenkennern auf einen Absatzmarkt von rund 6000 Flugzeugen in
den nächsten 20 Jahren mit einem Auftragsvolumen von 170 Mrd. Dollar taxiert
wird. Die E-Jets sollen zu große und alte Verkehrsflugzeuge ablösen (wie z.B.
bei US-Airways), bei entsprechender Nachfrageentwicklung kleinere
Regionalflugzeuge ersetzen (wie z.B. bei LOT) und den Fluglinien dabei zu eienr
Vereinheitlichung der Flotten verhelfen. Die panamesische Flggesellschaft COPA
sieht die Embraer 190 wohl schon als Ersatz für die veraltete Boeing 737.Flotte,
und der amerikanische Billig-Carrier "Jet Blue" ist bereits mit einer Bestellung
von 100 Embraer 190 AR (Reichweite 4.260 km) "im Geschäft".
Embraer ist - nach dem Konkurs von Fairchild Dornier - neben Bombardier der
einzige große Hersteller in dem von Embraer genutzten Marktsegment. Der
Auftragsbestand beläuft sich (Okt. 2005) auf über 400 Maschinen, dazu kommen
noch Optionen auf weitere 600 Flugzeuge. Marktkenner erwarten, dass Embraer
(voraussichtlich 145 Auslieferungen) bereits im Jahre 2006 den Konkurrenten
Bombardier (etwas über 100 Auslieferungen) überholen wird. Dabei kommt Embraer
die niedrige Kostenstruktur eines Entwicklungslandes zu Gute - und die Tatsache,
dass sich Airbus (370 Ausleiferungen 2005) und Boeing (320 Auslieferungen 2005)
auf die großen Maschinen konzentrieren.
Mit modernster Technologie (z.B. Fly-by-Wire) hält Embraer dabei auch den
Anschluss an die Weltspitze - und hat dazu einen ertäglichen Geschäftszweig -
als zweitweilig größter Exporteur des Landes - aufgebaut.
Alleine im 2. Quartal 2005 machte Embraer bei einem Umsatz von 812 Millionen $
einen Gewinn von 83 Mio. $, die Gewinnmarge des Unternehmens liegt also bei
knapp 10 %. Der Auftragsbestand liegt bei 10,9 Mrd. Dollar. Embraer hat also
Geld, um zu investieren - und in den nächsten Jahren sind Investitionen in Höhe
von 235 Mio. $ geplant.
Stillstand ist Rückschritt: Man darf gespannt sein, welche Entwicklungen bei
Embraer weiter angestoßen werden.
Wird Embraer nach zwei erfolgreichen Regionaljet-Reihen auch in den Bereich der
größeren Maschinen einsteigen?
Oder wird sich Embraer - back to the roots - wieder mehr im Markt für
Geschäftsreiseflugzeuge und Militärjets engagieren?
Und - wie werden sich die rundum erneuerten Flugzeugindustrien Chinas und
Russlands der Konkurrenz auf dem Weltmarkt stellen?
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