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Geschrieben von Erich Sczepanski
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Neue Kolonialisierung durch Indonesien?
Wider alle Erwartungen fand sich Indonesien über Jahrzehnte hin einem erbitterten, zunehmend stärker werdenden Widerstand der christlichen Bevölkerung
gegenüber gestellt.
In einem zunehmend brutaleren Einsatz - dem rund einhunderttausend Bewohner zum
Opfer fielen - versuchte die indonesische Staatsmacht, sich in der kulturell so
anders ausgerichteten Inselhälfte zu etablieren.
Dieser Kampf fand im Schatten der Weltpolitik statt. Inzwischen hatte China eine Annäherung zur westlichen Welt vollzogen, die boomenden
südostasiatischen "Tigerstaaten" (vor allem mit Indonesien) des ASEAN-Bündnisses boten glänzende Gewinnmöglichkeiten, und auch Vietnam näherte sich immer weiter der
ASEAN. Eine Zeit der friedlichen Wirtschaftswunder fand in ganz Ostasien statt - bis das "Tien an men"
- Massaker 1989 plötzlich die harte Seite aufscheinen lies.
Plötzlich waren im Gedächtnis Amerikas wieder "human rights" und nicht nur glänzende Wirtschaftsperspektiven bewusst.
Inzwischen war auf Osttimor fast die Hälfte der Bewohner in Sammellager umgesiedelt, um den Widerstand der Fretelin zu brechen. Erfolglos - und als im November 1991 ein friedlicher Protestmarsch vor laufenden Fernsehkameras auch westlicher Sender durch die indonesische "Besatzungsmacht" zusammengeschossen wurde, bahnte sich auch gegenüber Osttimor und Indonesien ein Umdenken der westlichen Staatenwelt an - zu stark war der Anklang an den "Tien an men", um über ein solches Massaker weiter hinweg zu sehen. Schätzungsweise 200.000 bis 250.000 Menschen, ein Drittel der Bevölkerung, starben in 25 Jahren indonesischer Herrschaft an den Folgen des Krieges: an Hunger und Seuchen und infolge der brutalen Verfolgung durch indonesische Soldaten.
Gleichzeitig war die Chimäre der kommunistischen Dominosteine, die nach Vietnam
fallen würden - endgültig enttarnt.
Indonesien war nicht mehr der notwendige geostrategische Partner im Kampf gegen
den Kommunismus.
Durch eine katastrophale Finanzpolitik und knallharte Währungsspekulationen der
internationalen Finanzwelt stürzte Indonesien (das vorübergehend die Grenzen des
Wachstums erreicht hatte) zeitgleich in erhebliche, existentielle Nöte.
Vielleicht entscheidend wurde aber eine wichtige Entdeckung, die auch eine völlige Kehrtwendung der
amerikanischen und australischen Regierung zur Ost-Timor-Frage erklären kann. Hier sei Peter Scholl-Latour *) einmal wortwörtlich zitiert:
>"Warum haben sich Amerikaner und Australier (die Regierung Australiens hatte den Anschluss Ost-Timors anerkannt) auf diese für Europäer und Christen durchaus begrüßenswerte Kehrtwendung in der Ost-Timor-Frage eingelassen, wo sie doch bislang jeder moralischen Verantwortung aus dem Weg gegangen waren?" hatte ich einen mir seit langem bekannten indonesischen Professor der Universität Djokjakarta
gefragt. "In der engen Meeresstraße von Timor, zwischen dem australischen Kontinent und der umstrittenen Insel, sind beachtliche Erdölvorkommen geortet worden." lautete die resignierte Antwort. "Oil is the final esplantation of American politics even in this remote area."<
Als die Einwohner Ost-Timors in einem von den Vereinten Nationen durchgeführten Referendum mit überwältigender Mehrheit für die Unabhängigkeit von Indonesien entschieden hatten, verwandelten
pro-indonesische Milizen mit tatkräftiger Unterstützung des Militärs das kleine Land in ein Flammenmeer. Sie quittierten den Willen der Ost-Timoresen mit Mord und Vertreibung. Milizen verweigerten oder erschwerten Hilfsorganisationen den Zugang zu den Lagern und terrorisierten die Insassen. Nach Schätzungen der Hilfsorganisation CARE waren alleine auf Grund dieses flächendeckenden Massakers mehr als 120.000 Menschen nach West Timor geflohen, etwa 200.000 Menschen sollten innerhalb Ost-Timors auf der Flucht sein.
Die UN konnte die Ost-Timoresen nicht schützen, sie mußte selbst fliehen. Um das Morden und die Vertreibungen zu stoppen, entschlossen sich die
Vereinten Nationen letztlich zu einer militärischen Intervention. Bill Clinton erzwang im Verbund mit den Vereinten Nationen
endgültig die Räumung Ost-Timors von der indonesischen Armee, und der amerikanische
Kongreß unterband die Beziehungen zu Indonesien.
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Letztes Update ( Dienstag, 26 August 2008 )
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