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In Kooperation mit ASS (Außen- und Sicherheitspolitische Studienkreise e.V.) Heidelberg
Ein Volk begehrt die Freiheit
- Die Suche der Burmanesen nach Demokratie -
Wie kann man einem Kind erklären, dass man in bestimmten Gegenden der Welt dafür geschlagen, getreten oder mit dem Tode bestraft werden kann, wenn man sagt, was man denkt? Wie kann man einem Kind erklären, dass man keine eigene Meinung haben darf?
Keineswegs eine leichte Aufgabe! Aber wer von unserer jungen Generation kann sich schon an solche Zeiten erinnern oder war gar selbst in der Situation, etwas nicht sagen zu dürfen? An eine Begebenheit kann ich mich noch deutlich erinnern, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt erst sechs Jahre alt war. Mein Vater war mit mir eines warmen Tages mit dem Auto unterwegs. An einer Kreuzung sah ich ein Plakat mit dem Aufdruck eines Mannes und sagte: „Papa, ich finde diesen Mann doof.“ Mein Vater schaute mich an und sagte: „Das darfst du nicht sagen! Dafür kann man ins Gefängnis kommen.“ Ich habe es damals nicht verstanden und habe darüber gelacht. Wie kann man denn für etwas, was man sagt ins Gefängnis kommen? Für mich war das völlig absurd. Heute kann ich es verstehen.
Die Bilder, die unsere Fernsehgeräte im September/Oktober des Jahres 2007 aus Burma sandten, waren mehr als erschütternd. Menschen, die für das Recht der freien Rede und für freie Wahlen demonstrierten, wurden zusammengeprügelt und getötet. Der Initialfunke, der für den größten Aufstand seit dem 8. August 1988 („8888 Uprising“) sorgte, nahm seinen Anfang am 5. September 2007, als Angehörige des burmanesischen Militärs beim Auseinandertreiben von Demonstranten drei beteiligte Mönche verletzten. In den nächsten Tagen entlud sich die Entrüstung des Volkes, über die abgelehnte Entschuldigung des Militärs an Seiten des Klerus und die zunehmenden Erhöhung der Rohstoffpreise, in massenhafte Proteste in Burma.
Am 22. September gingen bereits 2000 Mönche in Yangon und 10 000 in Mandalay auf die Straße und von Tag zu Tag wurden es mehr. Die Proteste wurden lauter und lauter und die Regierung wurde zunehmend unruhiger. Schließlich kam es zu ersten Aufeinandertreffen: Militär gegen Demonstranten oder Schlagstöcke und Tränengas gegen Transparente und das Begehren eines Volkes. Am 27. September kam es zu einem traurigen Höhepunkt: wo Einschüchterungen und Schläge nicht mehr halfen, wurden Gewehre eingesetzt. Nach unbestätigten Aussagen kamen mehr als 300 Menschen im Feuerhagel der Soldaten um, darunter auch Kenji Nagai, ein japanischer Fotoreporter, der bereits in der Vergangenheit über die Menschenrechtsverletzungen des burmanesischen Militärs berichtet hatte.
Ähnliche Geschehen sind uns wohl bekannt, auch wenn sie glücklicherweise anders verliefen.
Während der Montagsdemonstrationen skandierten die Menschen in der DDR: „Wir sind das Volk, Wir sind das Volk“, und leiteten einen friedlichen Wechsel ein. Ebenso erging es in der Volksrepublik Polen. Unter der Führung des Danziger Werftarbeiters Lech Wałęsa haben sich die Bürger solidarisiert und das sozialistische Regime schließlich zu Verhandlungen am Runden Tisch gezwungen. In Europa war die Transition zu demokratischen Regimen erfolgreich. In Burma nicht – noch nicht. Burma ist eines der ärmsten Länder der Welt, obwohl das Land über reiche Edelsteinressourcen verfügt. Die Militärregierung hat Burma heruntergewirtschaftet. Die Inflation ist erschreckend hoch und Korruption beherrscht das Land. Überall, wo sich die Stimme des Volkes gegen die Herrschenden richtet, kommt es zu Konflikten. In Burma wird aber über Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Volk und der Regierung nicht geredet. Jedwede Opposition wird entweder unter Hausarrest gestellt, verhaftet oder getötet.
Die Menschen, die unter Gefahr für Leib und Leben, für ihre Rechte aufstehen, ihre Stimme erheben, um zu sagen, was ihnen passt oder nicht, verdiene die höchste Achtung. Sie sind die wahren Helden Burmas. Es sind keine Generäle oder Politiker. Es sind die einfachen Leute – die einfachen Leute, die auf die Straße gehen und den Mund aufmachen. Das Volk fürchtet schon längst nicht mehr die Regierung. Schritt für Schritt nähern sich die Menschen eines freien und demokratischen Staates an. Mit den Ausschreitungen gegen die Demonstranten hat die Militärregierung Burmas bewiesen, dass sie vor dem Volk mehr Angst hat als umgekehrt.
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