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Artikel - Analysen
Arabien - Felix Arabia | Arabien - Felix Arabia - Arabische Einheit |
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| Geschrieben von Erich Sczepanski | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Dienstag, 25 Oktober 2005 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Seite 8 von 9 E) Arabien heute: Die Öl- und Gasbesitzer sind dabei, ihre Wirtschaften für die Zeit nach dem Ölboom vorzubereiten. Ein zentrales Thema - mit dem sich die "reichen Protzer" mit den "armen Schluckern" die Hände reichen, ist dabei die Nutzung von Atomenergie, mit deren Hilfe sich auch Meerwasserentsalzungsanlagen betreiben lassen. Der Gollfkooperationsrat und Ägypten haben den klaren Wunsch nach Atomkraftwerken bereits geäussert. Algerien, dem Jemen, Jordanien, Marokko, Libyen und Syrien werden entsprechende Ambitionen nachgesagt. Dabei ist im Kontext zu den Entwicklungen in Nachbarstaaten ein auf- und abschwellendes Interesse zu beobachten. Die israelische Atombombe (seit den sechziger Jahren wird Israel der Atomwaffenbesitz zugeschrieben) steht gleichlaufend zu einem ägyptischen Forschungsprogramm, das erst nach dem Friedensvertrag mit Israel und dem Tschernobyl-Gau beendet wurde. Die seit Anfang dieses Jahrtausends immer stärker in den Vordergrund tretenden atomaren Ambitionen Irans gehen einher mit den offiziellen Erklärungen des Golfkooperationsrats und Ägyptens, die Nuklearenergie nutzen zu wollen. Diese Synchronität der Ereignisse hat die Süddeutsche Zeitung bereits zu einem Kommentar (Nuklearer Rüstungswettlauf, 01.11.2007) veranlasst, der die Vermutung äussert, dass hinter dem Ausbau der Atomenergie auch militärische Absichten stecken könnten. Die arabische Welt ist heute zutiefst frustriert. Wer heute als Araber die Situation der arabischen Staaten insgesamt analysiert, der sieht die Ehre der arabischen Welt mit Füßen getreten - und "Ehre", "Ansehen" - das ist eine der wichtigsten ethischen Werte einer Gesellschaft, die nach wir vor in vielem dem Ethos der Beduinenwelt verbunden ist. Seit der Kolonialzeit, in der - dem osmanischen Reich nachfolgend - europäische Mächte die Herrschaft an sich gerissen haben, hat kein arabischer Staat mehr den Glanz historischer Epochen erreicht. Teufelskreis - Armut und Kinder (das demographische Problem): Ägypten – mit einer Bevölkerung von 80 Millionen in das Jahr 2007 gestartet – wächst im Durchschnitt alle 10 Monate um 1 Million Einwohner. Bis 2050 wird die Bevölkerung aller Voraussicht nach auf 126 Millionen Menschen anwachsen. Dieses Bevölkerungswachstum ist dazu vor allem den ohnehin schon armen Familien zu verdanken. Die „relativ wohlhabende“ Minderheit von 20 Millionen Menschen, die sich keine tagtäglichen existentiellen Sorgen machen muss, wächst kaum. Die Unterschicht von (derzeit) 60 Millionen wird nach UN-Schätzung dagegen bis Mitte des Jahrhunderts um gut 60 % steigen. Ägypten hat also – beispielhaft – das Problem, einer zunehmenden Zahl von jungen Menschen eine Perspektive bieten zu müssen. Wenn das nicht geschieht, dann ist absehbar dass diese Jugend „ohne Zukunftsperspektive“ in extremistische Positionen abdriftet, so ähnlich wie das in Deutschland nach der Weltwirtschaftskrise (zwischen den beiden Weltkriegen) auch der Fall war. Tatsächlich scheint die Anzahl der Jungen Menschen an der Bevölkerung auch mit der Gewaltbereitschaft der "Gesellschaft ohne Zukunftsperspektive" einherzugehen: Gazastreifen: 48 % junge Bevölkerung Westjordanland: 42 % junge Bevölkerung Irak: 39 % junge Bevölkerung Saudi-Arabien: 38 % junge Bevölkerung (die meisten Terroristen des 11. Sept. waren Saudis) Syrien: 37 % junge Bevölkerung Jordanien, Libyen: 33 % junge Bevölkerung Marokko: 31 % junge Bevölkerung Nach einer These des Sozialwissenschaftlers Gunnar Heinsohn (Bremen) ist ein Anteil von 30 % unter 15jährigen ein Grenzwert, bei dessen Überschreitung die Gefahr von Extremismus und Terrorismus - bis hin zu Selbstmordanschlägen - deutlich zunimmt. Der Jemen, die Palästinensichen Gebiete, aber auch Saudi Arabien, Syrien, Libyen, Jordanien und Ägypten liegen deutlich über diese Schwelle. Algerien (27,2 %) und der Libanon (26,2 %) erreichen die Schwelle der "youth bulge"-Gesellschaft knapp. Tunesien (24,0 %) - ein wirtschaftlich realtiv stabiles arabisches Land - liegt deutlich unter der genannten Schwelle. Zum Vergleich: Pakistan (36,9 %) weist ebenso eine Überschreitung der Schwelle auf, die Türkei (24,9 %) und der Iran (23,2 %) liegen dagegen deutlich unter dem von Heinsohn definierten Grenzwert. Konkret ergibt sich für einzelne arabischen Länder folgende Zusammenstellung:
Ist es ein Wunder, dass Araber Trost und Heil in der glorreichen Vergangenheit suchen? Es ist ein fruchtbares Feld, in dem "Allahs falschen Propheten" ein bereitwilliges Publikum finden, die eine neue Blüte nicht in der Übernahme westlicher Werte wie Demokratie sehen, sondern in der Besinnung auf die historischen Wurzeln, auf die Kraft des Islam und auf die Scharia als das dem Islam gemäße Rechtssystem. Hier wird eine umfassende gesellschaftliche Ordnung propagiert, eine "heile Welt", und was in westlichen Augen despektierlich als "mittelalterlich" bezeichnet wird hat mit genau derselben Bezeichnung plötzlich aus arabischer Sicht einen ungeheuren Reiz: war nicht das Mittelalter die hohe Zeit der arabischen Welt? Die Religion des Islam bietet mehr als spirituelle Erbauung, sie bietet ein komplettes sozioökonomisches, sozialpolitisches und auch juristisches Programm - eine heile Welt auch diesseits der religiösen Ebene. Aus der Sicht der Islamisten wird zugleich die Peinlichkeit der Kolonialgrenzen überwunden, denn die Islamisten erkennen nur eine Nation: die islamische Gemeinde, in der alle Muslime über alle staatlichen Grenzen hinweg vereint sind. Marcel Pott, lange Jahre als Journalist und Publizist in arabischen Staaten tätig und einer der besten westlichen Kenner der arabischen Welt beschreibt die Situation so: (Quelle Allahs falsche Propheten - (www.amazon.de)
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| Letztes Update ( Sonntag, 21 September 2008 ) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||